Kantinengespräch #14: Fritzi Haberlandt, Schauspielerin

Shownotes

Die Preise für ihre schauspielerischen Leistungen sind zahlreich. Viel wichtiger als materielle Anerkennung ist Fritzi Haberlandt aber das Kindliche, das zum Schauspiel gehört, ihre Lieben zum Theater und ihr Engagement in der Sterbebegleitung.

„Wir sind die einzigen Lebewesen, die Kunst und Kultur machen”, so Fritzi Haberlandt, „weil wir als einzige wissen, dass wir sterben.” Theater leben und sterben: Im Deep Talk mit Abak und Julischka gibt die Schauspielerin Einblick in die zwei Welten, die sich in ihrem Leben vereinen.

Ein berührendes Gespräch übers Da-Sein, Sein-Lassen und Zusammensein an Theaterhäusern und im Hospiz.

Moderation: Julischka Eichel und Abak Safaei-Rad Schnitt: Deutsches Theater Berlin Musik: Sven Michelson Foto: Joachim Gern Redaktion: Deutsches Theater Berlin

Transkript anzeigen

00:00:02: Kantingespräche mit

00:00:04: Abak Saferat

00:00:05: und Juliska

00:00:05: Eichel.

00:00:28: Hallo, Juliska!

00:00:30: Wir sitzen hier bei gefühlt vierzig Grad und nehmen unsere letzte Folge.

00:00:36: Nein, erste Folge für die neue Spielzeit auf sind völlig die Lulu wegen der Hitze?

00:00:41: Ja wir haben.

00:00:43: Wir haben zusammen eine letzte Vorstellung gespielt und meine letzte Vorstellungen, diese Spielzeit war am Dienstag gefühlt bei fünfzig Grad unter Volklamotten.

00:00:52: Der Liebling mit unserer Gästin!

00:00:56: der wunderbaren, hochtalentierten preisgekrönten Fritzi Haberland.

00:01:02: Hallo Fritzie!

00:01:02: Hallo

00:01:03: Ambar Kaloyjuliska Wie

00:01:05: schön dass du da bist.

00:01:06: Ich freue mich auch mit euch zu schwitzen.

00:01:08: Ja

00:01:09: ich meine hier geht es wirklich gerade noch so in unserem schönen Studio.

00:01:12: Wir haben alle Wasser dabei.

00:01:13: Du hast dir nichts aus der Kantine geholt?

00:01:15: Ne,

00:01:16: die reicht

00:01:16: Wasser.

00:01:18: Ich habe ja heute in der Kantine gegessen Nach langer Zeit mal wieder einen schönen Tomatensalat mit Zwiebeln.

00:01:25: Pilze gab's dazu.

00:01:27: Und Chili, so vegetarisches Chili was auch gut ist.

00:01:30: Ist das geschmeckt?

00:01:31: Ja es hat gut geschmeckt!

00:01:32: Also ich hätte noch mehr Tomate natürlich nehmen können aber doch war gut.

00:01:36: Ist du manchmal in der Kantine?

00:01:38: Wenn ich hier geprobt habe, hab' ich hier sehr regelmäßig gegessen.

00:01:41: Ich finde das den größten Luxus bei der Arbeit sich nicht ums Essen kümmern zu müssen sondern essen einfach nur auf kurzem Wege gutes Essen und ich finde dass Essen sehr gut in einer Kantine essen zu können.

00:01:53: Das hat mich wirklich sehr erleichtert mein Leben sehr erleichert.

00:01:55: Und während wir gepropt haben nämlich der Liebling, habe ich auch gesehen, dass es einen Menschen gibt in deinem Leben, der dir ganz wunderbare Brotboxen Zubereitet.

00:02:08: Also das ist jetzt ein bisschen übertrieben, ab und zu kriege ich mal eine Müsli-Riegel in meine selbst geschmierten Brotbox hinein.

00:02:16: Ach

00:02:17: so!

00:02:17: Aber du hast

00:02:18: es

00:02:18: selber gemacht?

00:02:19: Die Brote schmiere ich schon selber.

00:02:21: Achso!

00:02:21: Weil die Riegel... also vielleicht was einmal... Das

00:02:23: ist ja ein komplettes Missfass aus Deiner

00:02:25: Sehnsucht.

00:02:26: oder dass man die Brotes schmiert oder dass Du das mitbekommen.

00:02:28: Ich fand das einfach so toll.

00:02:31: Das wäre natürlich der nächste Traum.

00:02:33: Weil ich immer Brote mit habe, ich schmier mir ja immer in Brotdosen.

00:02:37: Egal wo ich hingeh, jetzt hab' ich gerade keine dabei, weil ja leider kein Tine sind!

00:02:40: Aber sonst hab' Ich immer Brotte dabei und ähm... Und

00:02:44: das war vor allem nämlich so Pumpernickel?

00:02:46: So richtig schönes Schwarzbrot.

00:02:48: So lustig dass du das mitgekriegt

00:02:50: hast.

00:02:50: Naja, weil ich so...ich esse gar kein Brot eigentlich.

00:02:53: Äh aber wenn ich Brot essen würde dann würde ich auch so ein schwarzes Pumparnickel essen.

00:02:58: Das finde ich ganz toll, das ist auf so eine Kindheit der Erinnerung.

00:03:00: Ich durfte zum Beispiel nie ein weißes Brötchen so nehmen sondern musste ne Scheibe Pumpernickel da drauf legen bei meiner Mutter.

00:03:08: Ja, ich durfte nicht ein reines Weißbrot essen.

00:03:12: Also wir

00:03:12: machen es so!

00:03:12: So entstehen Sehnsüchte.

00:03:15: Wir machen's so...wenn wir wieder Proben zusammenabpacken dann schmier' ich uns beiden Brote

00:03:19: ab.

00:03:19: Oh ja bitte aber ich esse keine Broter.

00:03:22: Dunkelbrote alles klar.

00:03:25: Meine Notizen runtergefallen.

00:03:27: Fritzi, ich stelle dich erst mal wie wir das so machen in unserem Podcast mit deiner Vita vor, die auf der Homepage des deutschen Theaters zu lesen

00:03:35: ist.".

00:03:37: Fritzie Haberland.

00:03:39: Geboren und nach dem Abitur studierte sie an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin.

00:03:46: Am Theater spielte sie unter Regisseur Robert Wilson

00:03:49: u.a.,

00:03:50: am Berliner Ensemble und am Lincoln Center New York.

00:03:53: Von zweitausend bis zweitausendfünf war sie festes Orson-Wilmitglied am Talier Theater in Hamburg.

00:03:58: Für ihre dortige Rolle der Minna von Bahnhelm zeichnete sie die Zeitschrift Theater heute als Nachwuchsschauspielerin des Jahres Zwei Tausend aus.

00:04:06: Das stimmt ja nicht, das war ja ein Hannover, ne?

00:04:08: Kleiner Angriff!

00:04:10: Hallo Öffentlichkeitsarbeit!

00:04:11: Genau weiter geht's!

00:04:13: Zwei tausendsechs wechselte sie zum Berliner Maxim Gorky Theater.

00:04:16: unter der Intendanz von Amin Petras.

00:04:19: Erste Schritte vor der Filmkamera unternahm Fritzi Haberland, in die Braut von Egon Günther.

00:04:24: Sie übernahm ihre erste Hauptrolle in Ingrid Neuverfilmung Kaltester Abendhauch von Rainer Kaufmann und wurde mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin geirrt.

00:04:36: Den deutschen Filmpreise erhielt sie im Jahr für Henk Handlüchsten Liegenlernen.

00:04:42: Im Jahr zwölf wurden sie für ihre Nebenrolle in Fenster zum Sommer für den deutschen Filmkreis nominiert Für den Kinofilm, Nebel.

00:04:49: im August wurde Fritzi Haberlandt mit dem deutschen Filmpreis als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.

00:04:55: Im Fernsehen spielte sie in TV-Reihen wie Tatort und Polizeiruf sowie in den Spielfilmen ein starker Abgang von Rainer Kaufmann und Andreas Kleinerts Nacht ohne Morgen.

00:05:04: In der preisgekrönten ARD-Serie Barbilon Berlin spielt Fritzi Haberland eine durchgehende Hauptrolle.

00:05:10: Ebenso in der Amazon-Sereie Deutschlandsetzehnundachtzig, Neun und Achtzig.

00:05:14: ab der Spielzeit sechsundzwanzig, siebenund zwanzig ist Fritzie HaberLand regelmäßiger Gast im Ensemble des deutschen Theaters Berlin!

00:05:21: Aber das bist du jetzt ja eigentlich auch schon länger?

00:05:23: Nämlich... Du hast hier schon Angabe der Person...

00:05:27: Genau aber ich überleg gerade in welchem Jahr das war.

00:05:29: wann hatten wir ein Premiere?

00:05:30: ich glaube schon vor mindestens vier Jahren Und

00:05:33: so lange spielt ihr das auch schon?

00:05:34: Ja.

00:05:35: Und dafür hast du den Faust, den wichtigsten Deutschen und einen der wichtigsten deutschen

00:05:40: Theaterpreise bekommen.

00:05:42: Ist es der Wichtigste?

00:05:44: Es gibt viele Preise

00:05:45: in Deutschland.

00:05:46: Es gibt diesen Eisoltring, dann hat dieses Tiller-Dirieuxband ... Letztens hatten wir schon mit Alex da über diese Praxis gesprochen.

00:05:54: Aber ist das Deutsch

00:05:55: oder ist das österreichisch?

00:05:56: Ja, das ist Deutsch.

00:05:59: Und den If-Land gibt's

00:05:59: dann alle?

00:06:00: Dann gibt es den Ulrich Tukor

00:06:01: Preis... Der hat relativ realistisch, dass man den eines Tages

00:06:04: bekommt!

00:06:06: Ist das der, der nach dem Tod weiter geht?

00:06:08: und wer hat ihn jetzt prei...?

00:06:09: Jens Harzer!

00:06:10: Also das wird nicht.

00:06:11: Nee,

00:06:11: also das schaff ich

00:06:12: hier nicht.

00:06:12: Aber fritt sie so viele

00:06:14: Preise?!

00:06:15: Wo stehen die?

00:06:15: Wo sind die aufbewahrt?

00:06:18: Die stehen in meinem Bücherregal ganz langweilig Da stehen die.

00:06:24: Aber ich guck sie mir nicht so oft an.

00:06:26: und jetzt, als du das vorgeleserst, hab ich auch gedacht, ach interessant!

00:06:30: Sie sind ja schon wichtig für einen?

00:06:31: Also habe ich mich immer sehr gefreut.

00:06:33: aber jetzt in der Aufzählung denke ich auch so Ja gut wirklich Ja, irgendwie denke ich so.

00:06:40: Ist das wirklich so bedeutsam?

00:06:42: Weißt du jetzt wenn du es zuvor liest ist das wirklich für meine Biografie so bedeutsam?

00:06:45: aber wahrscheinlich ist es schon... Aber ich würde das nicht als erstes aufzählen glaube ich.

00:06:50: Ich kann meinen beruflichen Werdegang erzählen.

00:06:52: Ja, aber es ist ja trotzdem so dass allein dadurch dass man diese Preise bekommt und Du hast sie sehr früh bekommen ist man natürlich sofort hat man eine Aufmerksamkeit die weitere tolle Projekte nach sich ziehen, für die man dann eventuell wieder schöne Preise bekommt.

00:07:08: Das ist doch

00:07:08: also insofern sind Sie ja so ein bisschen wegbereitend?

00:07:13: Ja, wahrscheinlich.

00:07:14: Aber das kann ich ja von innen immer gar nicht so beschreiben was wohin geführt hat.

00:07:17: Ich würde eher beschreiben es ist eine Bestätigung der Mühe die man sich macht, der Sehnsucht die man in sich trägt.

00:07:25: also gerade weil ich viele Preise auch schon so früh bekommen habe dass ich... Man ist ja ganz unsicher Ist das wirklich dieser Beruf das Richtige?

00:07:32: Habe ich wirklich etwas zu erzählen?

00:07:33: werde dich gerne gesehen und da war das eine tolle Bestätigung Die mich wirklich auch sehr deswegen sehr gefreutert Weil das für ein Moment die Unsicherheit entweder geringer macht oder man denkt, es lohnt sich und das ist schon das Richtige was ich hier mache.

00:07:48: Aber ich glaube halt auch wenn man so ein Preis erfährt dann merkt man ja auch dass also was das eigentlich für Gefühle sind.

00:07:54: Ich habe immer das Gefühl so einen Preis der so wichtig war das eine Sehnsucht sein könnte, dass man das unbedingt mal haben möchte

00:08:00: oder?

00:08:00: Und in dem Moment wo man's hat ist es ja schön und dann ist es wieder vergangen und man muss trotzdem wieder bei null anfangen beim

00:08:05: Arbeiten.

00:08:06: Das stimmt.

00:08:07: aber ich muss auch sagen Das klingt natürlich super kokett, ne?

00:08:11: Aber ich hab so nie gedacht.

00:08:12: Ich hatte nie gedacht, ich will irgendwann mal den Faustpreis kriegen!

00:08:14: Es war wirklich eine totale Überraschung als erstes, wie man nominiert war.

00:08:17: Ähm...ich hatte da gar nicht eigentlich darüber nachgedacht und als ich dann bekommen habe.

00:08:22: aber absolut richtig ist.

00:08:24: danach geht die Arbeit weiter und wir wissen alle einen neuen Arbeiten.

00:08:28: Alle Unsicherheiten sind da, alle Ängste sind da ähm..ne alle Aufregungen ist da und das ist in unserem Beruf das gehört uns wieder zu.

00:08:34: dass man eine Sicherheit kann es eigentlich nicht geben.

00:08:36: Ja absolut

00:08:38: Aber wie war das für dich, Juliska?

00:08:39: Als du den Alfred Kerrpreis bekommen

00:08:40: hast.

00:08:41: Ich hab da durch einen Job bekommen.

00:08:43: Also ich war sozusagen die einzige von der Ernst Bursch, die danach keinen Job hatte, weil ich hatte ein Angebot nach Kiel.

00:08:48: Da wollte ich nicht hin und dann war schon die Blöde bekloppt aber da habe ich keine Luft bekommen.

00:08:52: Dann bin ich hin und hab mich atmen können und es ging nicht.

00:08:55: Und ich hatte einen Vorsprechen an der Burg und das habe ich so fett versammelt Weil es mir zu gold war, ich bin da rein und war so verschüchtet über diesen Pompösen.

00:09:04: Dass ich immer dachte wenn ich hier schwitz und Fehler mache das wird mich nicht verziehen.

00:09:07: Bei wem war das damals?

00:09:09: Wachler.

00:09:10: Da könnte ich eine Anekdote erzählen.

00:09:12: sehr lustig aber das mach ich später.

00:09:16: Und dann habe ich durch den Preis bin ich ans Maxim Gorky Theater gekommen weil ich hatte ne Woche vorher noch gesagt bekommen es gibt keine Bakanzen für mich.

00:09:24: Da hab' ich nämlich ganz frech gefragt ob ich darf weil ich da als Gast gearbeitet hab Und da hieß es, nein auf keinen Fall.

00:09:30: Dann habe ich den Preis bekommen und in dem Moment kam von links und rechts zwei Jobs an.

00:09:35: Wofür war der Preis?

00:09:37: Für

00:09:37: Krankheit der Jugend?

00:09:38: Das hast du wo gespielt?

00:09:39: In Weimar als Studentin noch.

00:09:41: Das wurde eingeladen damals mit Thymian

00:09:43: Köhler.

00:09:45: Aber für mich war das zu früh!

00:09:46: Ich hab dann ein Jahr

00:09:48: lang gedacht... Ich

00:09:49: kann nicht spielen, weil ich immer dachte jetzt kommen Sie ihn gucken und überprüfen ob ich es verdient habe.

00:09:54: Und ich hab's nicht verdient.

00:09:56: Das war ja sozusagen so verdreht!

00:09:58: Ich hab ja keinen Job gehabt.

00:09:59: dann hatte ich plötzlich einen Job.

00:10:00: dann dachte ich aber immer sie kommen nur wegen diesem Preis.

00:10:03: das war für mich fast zu viel Und ich brauchte ein Jahr, bis es mir wurscht war.

00:10:08: Aber es war so negativ gefühlt tatsächlich

00:10:10: und war das eine gute Arbeit für dich gewesen dieses krankhalter Jugend?

00:10:13: Das war ganz toll.

00:10:15: also ich hab das extrem geliebt und die Art und Weise wie Timon Köhler arbeitet ist in der sehr mir sehr gute tolle Arbeit weil der ja Der macht frei.

00:10:27: Das ist ja so ein Registrier, der freimacht.

00:10:29: Deswegen ...

00:10:31: Für

00:10:31: mich war die, wenn ich in irgendeiner Form die Lust gehabt hätte, einen Preis zu bekommen, war das da schon erledigt für mich sozusagen und es war wirklich toll weil ich hab'n Job gekriegt.

00:10:47: Und dann war das Gorky dein erstes Engagement?

00:10:49: Genau.

00:10:49: Weil da haben wir auch zusammen gespielt!

00:10:51: Das z.B.

00:10:52: hätte ich nie gedacht, dass das dein erst Engagement war und denkt jetzt auch gleich wieder was für eine Herausforderung für ne junge Schauspielerin gleich am Gorki?

00:10:59: Weißt du mit sehr starken Regisseuren... Sehr viel starke KollegInnen!

00:11:04: Und wirklich eine riesengroße Herausforderung sich da zu behaupten und das darf ich jetzt mal so sagen hast du wahnsinnig gut gemacht.

00:11:10: also das hätte man nie, ich hatte nie gedacht ja klar hier die Anfängerinnen und so, nie du warst eben bürdig Und das ist echt toll.

00:11:18: Das

00:11:19: Schöne, dass du das sagst?

00:11:20: Ich wusste es ja vorher nicht!

00:11:21: Wie lange seid ihr da

00:11:22: zusammen im Ensemble?

00:11:25: Ich war gar nicht so lange fest am Ensemble.

00:11:27: Ich habe zwar noch Vorstellungen gespielt aber ich glaube, ich war sowieso nur zwei Jahre fest engagiert an Gorky und

00:11:34: danach bist du... Danach warst du nicht mehr fest am Theater?

00:11:37: Genau.

00:11:37: Wie lange warst Du dann insgesamt fest am theater?

00:11:40: Also ich war ein Jahr in Hannover.

00:11:44: fünf bis sieben Jahre, ich weiß noch mal Jahreszeiten.

00:11:46: Ich glaube sieben oder so was am Taliertheater vielleicht und dann noch zwei Jahre am Gorki.

00:11:51: Und Herr Nover war denn erst Engagement?

00:11:53: Genau das war aber eben nur ein Jahr eine Spielzeit.

00:11:54: Dann haben

00:11:54: Sie dich mitgenommen...

00:11:55: ...dann ist Uli Kuhn der da in Dein Land war als Talier Theater nach Hamburg gegangen und hatte mich mitgenommen.

00:12:00: Da hast du eben auch Armin Petras angefangen zu arbeiten.

00:12:04: Genau,

00:12:04: der mich dann wiederum ans Korki mitgenommen

00:12:05: hat.

00:12:05: War das für dich auch eine schnelle Entscheidung?

00:12:09: Ja weil ich lebte privat sowieso schon in Berlin seit Kurzem und bin immer gependelt.

00:12:14: und dann war es also... Ich hab geliebt mit Armin zu arbeiten, ich fand's auch toll dass er da internant wurde.

00:12:19: Also das war auch künstlerisch für mich ne richtige Entscheidung.

00:12:21: aber privat passt das eben auch gut weil ich sowieso eigentlich nach Berlin ziehen wollte.

00:12:26: Und sag mal, deine Filmkarriere hat ja eigentlich parallel fast dazu gestartet.

00:12:32: War das einfach zu fest am Theater zu sein und so große Filmprojekte als Anfängerin zu übernehmen?

00:12:39: Wie konntest du das mit den Theatern gut besprechen?

00:12:41: Erst mal ist es da auch bei mir so, dass ich das gar nicht vorhat.

00:12:44: Ich wollte immer Theater-Schauspielerin sein.

00:12:46: Das war mein Traum.

00:12:47: Mit Filmen habe ich ... Das klingt doof im Nachhinein, aber ich hatte das gar nie auf dem Schirm.

00:12:52: Das wäre vielleicht später gekommen.

00:12:54: Aber in der Ernstbuschschauspielschule waren schon Karsterinnen da, die geguckt haben und deswegen ging das relativ früh los, dass sie mich gesehen oder ein Castings eingeladen haben usw.

00:13:06: Dann war für mich immer die Priorität Theater.

00:13:08: Deswegen kam das dann erst... Ich glaube, dass es so richtig schwierig wurde, als ich nicht im Nächsten hatte, sondern erbsen auf halb sechs gedreht habe, weil es eben eine absolute Hauptrolle in einem Kinofilm war mit sehr viel Zeit, die mitten in der Spielzeit lag und da musste ich schon ganz schön diskutieren.

00:13:26: aber Es war eben nur einmal eine lange Zeit und nicht immer mal wieder drei, vier Tage die mir möglich gemacht werden mussten.

00:13:33: Und dadurch, weil ich eben auch schon viel im Talier damals gespielt hatte glaube ich, haben wir dann halt Uli Kuhren gesagt oder wir beide gesagt lass uns das doch mir ermöglichen!

00:13:41: Ich gebe doch sonst ja auch mein ganzes Leben für dieses Theater.

00:13:45: also deswegen hatte ich da nicht sowieso wirkliche Schwierigkeiten.

00:13:48: aber klar es musste geplärt werden.

00:13:52: Und als du an der Schauspielschule warst und die Caster innen kamen.

00:13:57: Und wenn du das gar nicht so auf dem Schirm hattest, war das auch eine Überforderung dann am Anfang diese Filmwelt zu verstehen?

00:14:04: Und darauf reagieren zu können was sie von einem wollen und so?

00:14:08: Na

00:14:08: weißt du ich glaube ja dass gute ist wenn man das gar nichts der große Ehrgeiz ist ne, berühmte Filmschauspielerin zu werden.

00:14:15: Ich bin so den Castings gesagt hab das irgendwie gemacht wie ich so dachte dass mir es Spaß macht.

00:14:19: im besten Falle Weißt du im besten falle so wie mir es spaß macht.

00:14:23: Und wenn das dann klappt, ist das doch eher so... Ach was?

00:14:28: Die finden mich gut.

00:14:29: Das ist ja super!

00:14:30: Ich habe auch total Bock da drauf.

00:14:31: Aber du

00:14:31: konntest es auch direkt damit umgehen mit dieser anderen Spielweise und dem Spiel mit der Kamera?

00:14:36: Also beim allerersten Film war das ganz früh noch auf der Schauspielschule.

00:14:39: Da hatte ich eben den sehr... Erfahrenden-Regisseur Egon Günther, der eben schon ein bisschen älter war.

00:14:45: Und er war sehr streng mit mir.

00:14:48: Das konnte ich überhaupt nicht!

00:14:49: Da hatte ich keine Ahnung und er hat mich auch sehr... Also wirklich war es sehr stregen und ich finde auch sehr

00:14:55: unfreundlich.

00:14:56: Der war wirklich superaggressiv beim Drehen.

00:14:58: also jetzt glaube ich man soll ja über Verstorbenen nicht schlecht reden aber das war für mich eine harte Erfahrung weil als Anfängerin die das nicht gelernt hat auch Filmdrehs haben wir damals hatten kein Workshop oder sowas.

00:15:09: auf der Schauspielschule finde ich, hätte man durchaus ja jemandem auch helfen können.

00:15:13: Weil ich kann es ja aber ich muss dahin gebracht werden und der war immer... also er hat wirklich einfach was spielt zu denn da viel zu groß und so und dann... Ich wusste gar nicht was Groß bedeutet.

00:15:24: das war für mich Spielen Und so musste ich das dann... Ich habe zusammengedreht mit Veronica Ferris, die war meine Schwester an dem Film oder ich war ihre Schwester und die hat mir wirklich sehr geholfen.

00:15:33: Also die hat mich auch immer wieder beruhigt, fritt sie ein Ohr rein, anderes raus, pass auf, wir machen es jetzt so.

00:15:38: Also ich brauchte wirklich die anderen Kollegen, die mich da in die Hand genommen haben und dadurch hab' ich's dann...

00:15:43: Wie gut, dass sie da ...

00:15:45: Supergut.

00:15:46: Sie war so freundlich und mitführend.

00:15:48: Weil sie hat sofort gemerkt, dass das nicht geht.

00:15:51: Und ich aber wollte... Dann war ich relativ schnell im Raus zu finden, wie es beim Film geht.

00:15:57: Selbst bei Kaltest der Amthors war mein zweiter Film.

00:16:00: War es am Anfang auch noch mal knirscht?

00:16:02: Ich hab dich ja so geliebt!

00:16:03: Oh, ich war so verliebt.

00:16:06: In Augustil verliebte

00:16:07: ich?

00:16:07: Nein in Dächschen!

00:16:10: Und dann in Auge.

00:16:14: Ich finde es aber trotzdem, ich glaube heute gibt's Workshops an Schauspielschulen.

00:16:18: Ich find das wir das nicht gelernt haben da das gehört ja nur mal zu unserem Beruf dazu zu drehen wie das mit der Kamera funktioniert und

00:16:26: dass was unterschiedlich ist.

00:16:27: Das ist was ganz anderes ist und das ist auch gut ist ein bisschen Technik zu wissen vor beim Drehen und in welcher Größe gerade gedreht wird und so dass man sich das alles selbst beibringen muss über die Jahre.

00:16:37: Also ich find's eigentlich nachlässig

00:16:38: total.

00:16:39: Und ich kann mich erinnern, dass sich in Köln, als ich noch nicht auf der Schauspielschule war, meine Freundin von mir zu einem Casting eingeladen und da bin ich einfach mitgegangen und hab mich zwischengedrängt und dann habe ich das glaube ich ganz normal gemacht und auch ziemlich locker und gut und dann hab' ich nochmal so ein Viva-Casting gemacht und das erinnere ich nicht.

00:16:57: Dann war ich aber auf der Showspielschuhe und ich hatte auch dieses Drehen gar nicht auf dem Schirm und das war gar nicht der Grund warum ich Spielerin werden wollte.

00:17:06: Und dann kam Nessin Neslauer damals, reiste durch alle Schauspielschulen für dreiundzwanzig.

00:17:12: Haben sie die Hauptrolle gesucht und haben alle Schauspielstudentinnen gecastet?

00:17:18: Wir dann in so einem Studio und wurden da einzeln reingebeten.

00:17:21: Und das weiß ich noch, dass ich dann wie die ... Das Kaninchen vor der Schlange.

00:17:26: In dem Moment, wo ich vor dieser Kamera stand, war ich gar nicht mehr ich und konnte gar nicht locker sein oder sonst was.

00:17:31: Dann hatte eine Komplettverkampfung und Verspannung.

00:17:34: Das hat er sich bei mir festgesetzt, dass sie auf Jahre dachte und auch noch ewig als ich im Beruf war, nee, das ist eh nix für mich, das kann ich eh nicht!

00:17:41: Da bin ich so... Ich hab mal einen Workshop gemacht, als ich in Berlin war nachdem ich zehn Jahre fest war am Theater Hatte mir auch eine Schauspielerin von der Schaubühne empfohlen.

00:17:50: Und da habe ich gedacht, ach so nie!

00:17:52: Ich

00:17:52: kann das auch!

00:17:54: wenn ich mich damit befasse.

00:17:55: So voll die Überraschung!

00:17:57: Aber das ist doch klar, es gibt ja auch Schauspielerinnen, die nur drehen und wenn du dieses erste Mal auf eine große Bühne stellst und sagst so jetzt spielen wir hier, die würden ja genau einen Schock kriegen.

00:18:06: Also man muss das lernen, du musst das Medium lernen... Und beim Drehen ist es natürlich auch sehr respekteinflößend, wenn da ein gesamtes Team hinter einer Kamera steht und dann solltest du aber ganz kleine intime Vorgänge spielen.

00:18:18: also das muss man echt trainieren.

00:18:20: für

00:18:20: dich Finde ich auch.

00:18:21: Total.

00:18:22: und dass man dann immer in dem Moment so abliefern muss, also diese, dass man nicht diese Entwicklungszeiten wie am Theater...

00:18:29: Und daraus finden für sich selbst und da ist ja jeder auch anders was brauche ich um einen guten Tag zu spielen?

00:18:33: Wie viel Raum muss ich mir nehmen oder wie viel muss ich mich zurücknehmen

00:18:36: usw.,

00:18:36: das muss man ja alles... Das muss man dann live trainieren während man es schon macht.

00:18:41: Also wenn man's nicht gelernt hat.

00:18:42: Arbeitest

00:18:42: du mit einem Coach?

00:18:44: Ich hab das einmal gemacht vor zwei oder drei Jahren für den Film Wilmer, der letztes Jahr im Kino war.

00:18:51: Weil es so eine große Rolle mal wieder nach langer Zeit war und sie mir erst mal so fremd erschien.

00:18:57: Und ich dachte, ich möchte das vorher erarbeiten!

00:18:59: Ich möchte mich ganz sicher am Set fühlen – und das war ganz toll!

00:19:02: Ich hatte das ja zum ersten Mal gemacht mit Frank Betzelt und war absolut begeistert.

00:19:07: Das hat mir so geholfen für diesen Dreh, der auch oft nicht einfach war... in mir sicher zu sein und mit dieser Figur ganz sicher zu sind, um zu wissen eigentlich in jeder Lage was es sein könnte oder was ich erzählen will.

00:19:23: Also ich fand das toll.

00:19:24: Und dachte auch dass muss man eigentlich viel öfter machen oder so.

00:19:27: Das ist eigentlich ganz toller jemand von außen noch zu haben der sich nur mit dir und diese Figur innerhalb des Kosmos beschäftigt.

00:19:33: Dann

00:19:33: hast du ein bisschen Proben wie im Theater finde ich?

00:19:36: Ja

00:19:36: stimmt!

00:19:37: Also weil man sich ja so beschäftigen darf, ohne dass man gleich funktionieren muss.

00:19:40: Ja

00:19:40: und auch mit Dingen drum herum beschäftigt.

00:19:43: Das ist nicht nur wie sagt man diesen einen Satz sondern das ganze Ding.

00:19:46: Wo kommt ihr her?

00:19:47: Was hat die in ihrem Körper was hat sie in ihrer Seele?

00:19:50: Dass man sich das da anhäuft und wie das Material das ist einfach unglaublich stärkend.

00:19:56: Ich finde es auch schwer... Da ich wenig drehe und viel Theater spiele, diese Vorbereitung für mich alleine zu Hause.

00:20:05: Also mich wirklich so hinzusetzen... Ich bin auch so jemanden, ich kann nicht Fitness zuhause machen, ich muss in so ein blödes Studio gehen, sonst mache ich nichts.

00:20:13: Und deswegen ist das Coaching für mich dann die Zeit, die ich mich damit befasse und mich darauf vorbereite und warmläufe und so.

00:20:22: Ich finde es total gut!

00:20:25: Und der bietet ja auch so Trainingsstunden an.

00:20:29: Da bin ich zum Beispiel letztens, das hab' ich schon mal erzählt, dass ich ... haben wir hier Hannah gemacht am Theater und irgendwie hatte ich mit so einer Stelle irgendwie so Stress und dann kann man da auch in eine Trainingstunde gehen, dann bringst du das so mit auf eine Sache von Theater und dann hat das schon was verändert.

00:20:42: allein darüber, dass sich da so gesprochen habe und versucht habe für mich... Eine Lösung zu finden, eine Spiellösung.

00:20:50: Man kann ja auch nicht alleine draufkommen finde ich und unsere Arbeit ist ja schon manchmal sehr intime, sehr allein aber eigentlich braucht man ja ein Gegenüber.

00:20:57: Das ist

00:20:57: unbedingt unser Beruf.

00:21:00: Fritzi warum wolltest du eigentlich Schauspielerin werden?

00:21:03: Oh Gott!

00:21:04: Das kommt jetzt aber aus, das kommt aber schnell.

00:21:06: Ja

00:21:06: das ist eigentlich unsere Gretchen-Fahrer.

00:21:08: Weißt

00:21:08: Du was?

00:21:08: wir sind zu quer reingeschossen mit so mitten drin ins Ganze.

00:21:11: der Anfang fehlt ja total.

00:21:13: Also ich wollte es werden Weil ich Theater gesehen habe und mich das so ergriffen hat, erschüttert hat in einer guten Art und Weise.

00:21:25: Und mich das angezogen hat.

00:21:26: Aber eben der Orteater die Bühne als Ort... ...und dann hab' ich angefangen nach Schule selbst Theater zu spielen.

00:21:32: Das hat auch mir Spaß gehabt aber vor allem wurde mir zurückgegeben dass ich Talent hätte Und so kam dieser extreme Drang, aber das war... Also gestern kann ich es eigentlich gar nicht vom Kopf her beschreiben.

00:21:46: Sondern es war ein Gefühl und ein Drang und eine Sehnsucht, das zu tun!

00:21:52: Und warum das so ist?

00:21:53: ist mir ein Rätsel, weil ich finde eigentlich dass ich nicht so viele Sachen mitbringe.

00:21:57: Also ich habe eigentlich sonst keinen Drang im Privaten zum Beispiel mich zu zeigen oder so.

00:22:01: Ich bin lieber eine Katze oder ich bin lieber eher unsichtbar.

00:22:04: also warum ich das so auf die Bühne drängt?

00:22:06: Das ist irgendwas in mir, das ist genetisch veranlagt, das weiß ich nicht aber es kam einfach über mich und dann war sie nicht mehr aufzuhalten.

00:22:13: Also dann wollte ich nur dies machen

00:22:15: Und warst du schon als Kind so, dass du ...?

00:22:19: Nein.

00:22:19: Wirklich nicht!

00:22:22: Das kam auch in der Familie überraschend, dass ich das machen wollte.

00:22:25: Meine Mutter hat manchmal gesagt, du kannst wahnsinnig gut Leute imitieren, wenn ich meine Lehrerin nachgemacht habe.

00:22:29: Aber das hatte für mich keinen Zusammenhang mit Schauspiel.

00:22:32: Das fand ich lustig, jemanden so nachzumachen.

00:22:35: Erster

00:22:35: Anzeichen...

00:22:36: Ja, aber es ist ein einziger Anzeich.

00:22:38: Ich hab nie Gedicht oder Aufgesagt, nie Witze erzählt und nie von der ganzen Familie getanzt oder Theaterstücke aufgeführt.

00:22:45: Nein, das war dann nur mein Ding später imt in der Schule zu spielen oder dann im Theaterkurs.

00:22:51: Ich habe da zuletzt in Hamburg gewohnt, gab es ja vom Talier Theater so ein Jugendclub und da hab ich dann ... Das war meine Welt und da bin ich halt immerhin und hab dann...

00:22:59: Stimmt!

00:22:59: Du bist in Berlin geboren aber dann habt ihr in Hamburg gelebt?

00:23:02: Die

00:23:02: sind nach der Wende.

00:23:03: Einenundneunzig nach Hamburg gezogen,

00:23:04: ja.

00:23:05: Okay, dann

00:23:06: hab ich da

00:23:06: Abitur gemacht.

00:23:07: Dich das Taliertheater auch sozialisiert.

00:23:09: im Theater schauen?

00:23:10: Dann muss das doch ein...

00:23:11: Leicht natürlich dir richtig!

00:23:12: Dann

00:23:13: muss es mir unglaublich gewesen sein für dich an's Taliatheater zu gehen.

00:23:17: Das ist wirklich so unglaublich.

00:23:20: Deswegen lache ich grad so, weil mich immer noch über diesen Schicksalsschlag, diesen positiven Freue, dass mein absolutes... Ich habe die alle so geliebt im Taliertel als die SchauspielerInnen.

00:23:33: Drei mal die Woche habe ich Sachen geguckt, da gab es eben Schülernkarten und so.

00:23:38: Und dass ich dann an dieses Theater gehen darf und dann auch selbst Mitarbeiter innen, die ich schon kannte, weißte von der Kasse oder von der Garderobe oder von einer Kantine, dann sagte ich jetzt bin ich hier!

00:23:48: Das war echt ein Traum also das erste Mal da selber auf der Bühne stand vom Talier.

00:23:52: Also da war ich echt überwältigt.

00:23:54: Da, glaube ich, habe mich auch ein bisschen geweint weil ich so glücklich war.

00:23:56: Weil das einfach... Das ist der Traum in Erfüllung gegangen!

00:24:01: Aber ich hatte den Traum zum Beispiel auch, also früher jetzt hab' ich denn nicht mehr mal in Köln auf der Bühne zu stehen am Kölner Schauspielhaus.

00:24:10: Weil du daher

00:24:10: kommst?

00:24:11: Genau.

00:24:11: Ich hatte das nie.

00:24:13: Nee, dass ich in Stuttgart auf die...

00:24:15: Aber vielleicht weil du nicht so würstig

00:24:16: aus Stuttgarter.

00:24:17: Ja?

00:24:17: Das ist ja noch viel besser!

00:24:18: Aber vielleicht, weil Stuttgard eben auch nicht die richtige Stadt war wo du gelebt hast?

00:24:23: Vielleicht deswegen?

00:24:26: Ich überlege gerade wie heißt der Ort?

00:24:28: Wo ich reinkomme Bronweiler sind.

00:24:30: Das gibt's eigentlich nicht.

00:24:31: Weißt Du, so klein ist der, da gibt es kein Theater.

00:24:34: Und warst Du denn als Kind oder Jugendliche im Theater?

00:24:37: Also gab´s ein Theater was du dann so nehmen?

00:24:39: Wenn ich euch so zuhör' ich wollte ja Filmstar werden Ich kannte Theater nicht von innen.

00:24:47: Und dann habe ich die Brigitte gelesen auf dem Klo von einer Freundin meiner Mutter und da stand Schauspielschule, und da habe ich zum ersten Mal gelesen ... Ach so muss man das!

00:24:57: Kann man nicht einfach ins Star werden, so?

00:24:59: Und dann gab es ja noch kein Internet.

00:25:01: Sonst wirst du natürlich sofort

00:25:02: ... Ja, gab noch nicht Internet.

00:25:04: und dann dachte ich so, ah ja!

00:25:06: Dann habe ich gemerkt, weil im Dorf alle sehr seltsam reagiert haben.

00:25:09: Ich habe ja sogar eine Freundin verloren, weil sie gesagt hatte, ich hätte so unrealistische Wünsche in meinem Leben.

00:25:14: mit so jemandem können Sie nichts.

00:25:15: Das ist wirklich ... Und dann hab ich gedacht, ich muss das studieren.

00:25:19: Weil wenn mir jemand erzählt, ich darf nicht Schauspielerin sein, würde ich es verklauben und auf der Schauspielschule bin ich ins Theater.

00:25:25: Ich bin hier in Berlin zum ersten Mal ins Theater gegangen...

00:25:29: Ach ist das lustig!

00:25:30: ...und

00:25:30: habe ein Jahr lang gelogen, meine ganzen Kommilitonen die alle gesagt haben hast du schon das gesehen?

00:25:34: Haste schon?

00:25:34: Und ich so ja toll, toll.

00:25:36: Und hab nur Stress gehabt, bin nur hinterher gerannt bis ich nach einem Jahr gesagt hab Leute Ich bin so ein Landei.

00:25:42: Hey,

00:25:42: weißt du was?

00:25:43: Bei mir war es genau umgekehrt.

00:25:44: Ich sollte mal in irgendeiner Theatergruppe weiß ich auch nicht oder was auf der Schauspieler sollte man seinen Lieblings-Schauspielerin nennen und dann kam natürlich immer Robert De Niro und ich so Stefan Kurt.

00:25:52: Weißt du, weil der am Tarniertheater halt immer bei Wilson die tollsten Sachen gespielt hat.

00:25:56: Ich kannte glaube ich keinen einzigen amerikanischen Schauspieler.

00:26:00: Aber Stefan Kurt war mein Held, weisst du

00:26:01: das?

00:26:02: Das geht mir

00:26:03: an!

00:26:04: Da fühlte mich aber auch ganz schön nördig.

00:26:06: Ja wir sind zwei Nürts

00:26:08: Ah, herrlich.

00:26:09: Aber von Stefan Kurt war ich auch ganz großer Fan?

00:26:12: Ja!

00:26:12: Und dann ist es jetzt auch eine lustige Geschichte... Da hat dann ne Freundin von mir die kam irgendwie aus dem KWB und hat

00:26:20: gesagt Ich hab ein

00:26:24: bisschen

00:26:26: Maria Magdalena und

00:26:29: Stefan Kurt spielt

00:26:30: dein Vater.

00:26:32: Und ich bin ausgerastet, aber sie hatte sich vertan.

00:26:36: Nein.

00:26:36: Es war ein anderer Kurt.

00:26:38: Nein!

00:26:41: Das ist lustig.

00:26:43: Kurz die große Freundin

00:26:46: Das war auch ein ganz toller Kurt.

00:26:48: Auch ein sehr berühmter Kurt, aber es war so schnell.

00:26:54: Ich fand den ganz toll.

00:26:54: Aber

00:26:55: es ist ja toll, dass du auch so für den geschamt hast... Ja total!

00:26:57: Also ich auch.

00:26:58: Oh das war der größte für mich.

00:27:00: Leute waren das noch Zeiten wo Besetzungszettel auf einem Tisch stagen oder was?

00:27:06: Und sag mal dann hast du ja auch diese am Teiliertheater diesen ganzen Wahnsinns, Anfang Hype um Michael Talheimer mitgemacht.

00:27:17: Da warst du doch auch in diesem Liljon-Stück, wo es zu einigen Eklats kam oder?

00:27:24: Ja das lächelt aber ganz wunderbar

00:27:26: und denkt sich Gott sei Dank bei ich.

00:27:28: Nein

00:27:29: überhaupt nicht!

00:27:30: Ich denke so wenn man auf seine Zeit zurückblickt und sich an sowas erinnert dann ist das doch schon tolles Erlebnis.

00:27:37: Also, dass man so die Theaterwelt aufgerüttelt hat mit

00:27:41: etwas.

00:27:41: Ja!

00:27:42: Das ist natürlich im Nachhinein irgendwie ganz toll und historisch.

00:27:45: aber in der Gegenwart als das damals so war, war ich ja immer noch sehr jung und immer noch naiv und fand einfach Theater toll und wollte Geschichten erzählen und wollte die Leute begeistern und berühren.

00:27:55: mit dem was wir da machen.

00:27:56: und dann das Publikum bei der Premiere derart ausrastet habe ich natürlich auch wieder nicht kommen sehen.

00:28:01: Die

00:28:01: sind schon bei der Premier-Wahl komplett

00:28:03: aus.

00:28:03: Ja, gerade die Premiere war also da... steht am Anfang von William ziemlich lange da und macht nichts.

00:28:11: Ein Mensch, der einfach nur an einer Straßenecke steht und aushält zu sein.

00:28:14: mehr das war die Erzählung dahinter Und da sind die Leute eigentlich schon ausgetickt und haben reingerufen und sollen mal losgehen usw.

00:28:23: Das ging ja die ganze Premiere so, ich stand eigentlich nur unter Schock.

00:28:26: Ich hab das gespielt was wir verabredet haben.

00:28:28: Die hat halt nur gedacht, was ist denn jetzt kaputt?

00:28:30: Das geht doch nicht, dass die Leute unten etwas sagen!

00:28:33: Oben müssen sie doch was sagen!

00:28:36: Also ich fand es krass... Dann gab's natürlich am Ende dann ein

00:28:40: Mibu

00:28:42: Jubel, also das war gleich viel Boos wie Jubel.

00:28:45: Insofern merkte man schon okay es ist nicht nur schrecklich und das waren dann auch toll und das habe ich ja mit Micha später immer wieder gesagt dieses Geräusch von diesem Skandal-Applaus wo es eben auch viele Fans dann gibt.

00:29:01: Das ist schon etwas was man sich sehr deutlich erinnert im Nachhinein.

00:29:05: Also das ist schon ziemlich toll aber eben auch Uiuiui, also ich musste mich da schon auch schützen.

00:29:10: Weil ich wusste jetzt wie spinn das ja ab jetzt andauernd und immer wieder... Also es dauerte viele, viele Jahre in denen wir immer wieder ausgebot wurden und das musste man dann auch aushalten.

00:29:21: Irgendwann wusste man schon ist es gut Es hat seine Berechtigung Und die die Boon sind auf der falschen Seite und nicht wir.

00:29:28: Aber trotzdem hat mich das schon ganz schön geprägt.

00:29:33: Ich war vorher natürlich viel naiver.

00:29:34: Jetzt gibt's gewisse Ängste, die ich vorher wahrscheinlich nicht hatte.

00:29:38: Aber es ist okay.

00:29:39: Das wagt, das geht man ja immer ein und eigentlich ... Ist das natürlich auch toll so was ausgelöst zu haben?

00:29:45: Weil die Wahrscheinlichkeit, dass man sowas noch auslöst, geht ja eigentlich gegen Null heutzutage.

00:29:49: Ja also

00:29:50: wie willst du noch aufs Skandal auslesen?

00:29:52: Und das stimmt

00:29:53: schon!

00:29:53: Das ist ja irre weil womit soll das gerade passieren... Es gibt

00:29:57: eigentlich gar nix.

00:29:58: Dass sich die Leute so angegangen sind, das ist natürlich auch irgendwie ein Zeichen.

00:30:05: Dass wir das geschafft haben.

00:30:07: Also, wenn ein Mensch nur auf der Bühne steht und nichts sagt.

00:30:09: Und das die Leute schon zur Weißgetreibung... Was heißt

00:30:11: das denn eigentlich?

00:30:11: Also warum sind die...?

00:30:13: Was heißt es dann, wenn einen Mann steht sich selbst aushält?

00:30:17: Stille ist im Theater wo... Es spricht Theater natürlich!

00:30:20: Die Erwartungen sprechen.

00:30:22: Ja.

00:30:23: Dass sie dann austicken weil einer steht Und zufrieden ist.

00:30:26: Ich meine, es kann ja auch Peter Kurtz ... ich wäre eingeknickt!

00:30:30: Ich könnte das nicht, glaube ich, zustehen.

00:30:32: Also

00:30:32: so lange kannst du's, glaub' ich, auch nicht?

00:30:33: Wie

00:30:34: lange ist der denn da gestanden?

00:30:35: Nein eigentlich weiß ich nicht mehr.

00:30:36: Eigentlich

00:30:37: ist es schon länger geworden.

00:30:38: Es sollten, glaub', drei vier Minuten sein, am Ende waren's, ich glaube manchmal zwölf Minuten weil er auch manchmal dann später wartet bis es losgeht.

00:30:46: weißt Du?

00:30:47: Dass sie irgendwie aus irgendeiner was sagt.

00:30:49: Er hat's dann auch ein bisschen drauf angelegt aber gut was solls... Ich stand halt immer hinter der Bühne mit Alexandra Und wir waren fix und nannte sich immer Peter, bitte.

00:30:57: Oder

00:30:58: das könnte ich auch nicht.

00:31:00: Aber wir mussten

00:31:01: als nächstes raus und müssen so den ersten Schwall von Hass schon aushalten.

00:31:09: Aber die Leute ... Ich glaube, dass erst mal das Stück Lilium damals einfach eine andere Erwartung geschürt hat.

00:31:15: Die dachten, es gibt ja zu Unterhaltungstheater, jetzt kommt so Harald Junge Punkt zwei und singt uns was Schönes vor.

00:31:21: Es wird alles gemütlich Und das hat die, glaub ich, geschockt.

00:31:27: Auch sonst, dass sie da eine sehr ... doch vielleicht etwas bräsige Erwartungshaltung oder Unterhaltungserwartung hatten und die wurde halt komplett

00:31:36: untergraben.

00:31:37: Und das provoziert die Leute.

00:31:39: Also einige Leute, die eben so ins Theater gehen.

00:31:42: Die sagen, ich will was haben für mein Geld!

00:31:44: Und zwar das, was ich mir vorstelle.

00:31:46: Ich weiß gar nicht, gibt's eigentlich so ein Publikum noch?

00:31:48: Ja, würde ich sagen.

00:31:50: So'n Erwartus, wo man so denkt...

00:31:52: Oh, die ist doch, würd ich sagen auf jeden Fall.

00:31:55: Das gefühle hab ich schon.

00:31:56: Ich glaub auch, was mir der Menschheit halt so tun oder dass man eigentlich ... Ich weiß es gar nicht, muss mal kurz überlegen?

00:32:04: Ja, ich glaube schon!

00:32:05: Weil bei den Vorstellungen die ich jetzt spiele das Publikum unterschiedlich reagiert und so.

00:32:10: aber dieses, dass ich das Gefühl habe, das ist eine geschlossene Masse die eigentlich alle etwas anderes erwartet haben oder die alle so satt da sitzen und nur sagen unterhalt mich, das empfinde ich eigentlich nicht mehr so, dass sich das Gefühl

00:32:24: Also wir haben zum Beispiel hier, habe ich ein Stück gespielt.

00:32:28: Das hieß der Zähmung Widerspenstigkeit und das war eine Überschreibung von Katja Brunner.

00:32:35: Und also wie gesagt es war von Katjabrunner und trotzdem gab es glaube ich diese Verwechslung oder die Erwartungen von Menschen... Wie heißt das?

00:32:48: Der

00:32:50: Widerspenssitz.

00:32:52: der widerspenstigen Zähmung zu sehen.

00:32:55: Also das Gefühl hatte ich sehr oft, wenn ich gespielt

00:32:58: habe

00:32:58: ... Ich hab mich ein bisschen Banane vor, weil ich schon dachte so, ja ist gerade eine ganz andere Erwartung eigentlich.

00:33:07: Es ist ein komplettes Missverständnis von dem was hier passiert und was erwartet wurde.

00:33:13: Aber gut, das ist vielleicht auch ne Ausnahme.

00:33:15: aber sag mal Fritzi du bist dann Nur noch zwei Jahre am Maxim Gorky Theater geblieben, nachdem du vom Talier kamst und seitdem freischaffend.

00:33:24: Das war ja bestimmt... oder war das eine bewusste Entscheidung?

00:33:27: Oder hattest du erst mal gedacht, du machst jetzt mal Pause von Festengagement und dann hat sich es nicht mehr anders ergeben?

00:33:32: Oder ist es so dass einfach das Fest-Engagement nicht deinem Lebensgefühl entspricht?

00:33:37: Ja also ich glaube nach diesen ersten sehr intensiven Jahren fest am Theater wo man sich ja auch völlig ausliefert und ich super viel gespielt habe.

00:33:48: Also auch große Rollen, aber eben auch viele Vorstellungen einfach für Anzahl an Vorstellung und immer fremdbestimmt also du kriegst ja dann den Monatsplan oder damals war es so kurz vorher eigentlich ne?

00:34:00: Und dann weiß man wann man im nächsten Monat halt abends auf der Bühne steht oder wenn man Proben hat.

00:34:07: Das hat mich sehr geschlaucht und erschöpft.

00:34:10: Und dann hatte ich irgendwann einen Privatleben, wollte auch andere Sachen erleben und wollte ein Leben neben dem Theater haben.

00:34:17: Das ließ sich mit Festengagement für mich nicht mehr verbinden.

00:34:21: Ich brauchte dieses Gefühl von Freiheit nachdem ich mich viele Jahre komplett ausgeliefert habe.

00:34:26: Also das muss ich auch sagen ... Ich hatte diesen Prozess, dass ich im Fest-Engagement um Mehrfreiheit kämpfe.

00:34:32: Das hab' ich gar nicht so doll gemacht, sondern lieber gar nicht mehr fest frei sein und alles selbst entscheiden können.

00:34:38: Also das merke ich auch ist nach wie vor so ein Thema, dass ich in dem Beruf oft natürlich, dass ein Widerspruch ist... Ich habe schon gerne die Freiheit und entscheide schon gerne souverän für meine eigene Sachen und das kann man ja nicht immer.

00:34:53: Und das finde ich es immer wieder einen Kampf den ich so aushalten muss und der mir immer wieder Schwierigkeiten bereitet.

00:34:59: Dass ich nicht einfach Entscheidungen treffe was ich mache dass die Umstände so zu einem kommen.

00:35:07: Und das wollte ich damit schon mal beenden und sagen, ich bin jetzt Herren meiner kreativen Kraft und meiner Zeit usw.

00:35:17: Kann ich sehr gut nachvollziehen!

00:35:18: Also,

00:35:19: wenn man sich das leisten kann.

00:35:21: Ich hab mir noch lange auch Gast als Gast Sachen gemacht und ich habe im Parallel ja immer dann auch schon gefilmt und so.

00:35:26: Deswegen konnte ich mir das eben auch finanziell leisten weil natürlich hat das... Das ist der Vorteil vom Fest sein.

00:35:31: es natürlich du hast regelmäßig Geld, du bist versichert und so weiter und so.

00:35:35: das sind natürlich auch Sachen die ich jetzt auch manchmal vermisse um eine Sicherheit zu haben.

00:35:40: aber so ist immer Freiheit, Sicherheit meistens ein Widerspruch

00:35:44: Aber trotzdem kommen sehr schöne Projekte einfach nach wie vor zu dir oder?

00:35:48: Ja, das ist so.

00:35:50: Und jetzt ja auch wieder ... Ich hab da nicht so viel Theater gespielt und hatte eine Pause.

00:35:54: Jetzt habe ich wieder angefangen am Taliertheater.

00:35:57: Das mangelnde Licht mit der Stecke.

00:35:59: Dann habe ich im Angabe der Person gemacht, Jalinek, was eben doch ein Wahnsinns-Ding war.

00:36:03: Jetzt hab' ich der Liebling gemacht hier mit Anita Wulesitzer hier am Deutschen.

00:36:09: Und das ist auch eine absolute ... Lieblingsarbeit von mir.

00:36:12: Ich liebs, liebs und das gibt mir halt auch jetzt wieder so Lust sich diesen Betrieb auch zu stellen und diesem System Theater also im Moment empfinde ich da gar keine Einschränkung.

00:36:22: ich empfande es als großes Glück das machen zu dürfen.

00:36:24: Und die Pause?

00:36:25: Die Theaterpause war die dann bewusst?

00:36:27: Ja, die war bewusst!

00:36:28: Jetzt spiele ich erstmal nicht Theater

00:36:30: Weil mich fing an der Beruf wirklich zu frustrieren.

00:36:34: Also der Theaterberuf ist auf der Bühne stehen die Vorstellung wurden zur Qual fand mich selbst, ich fand da kam nichts mehr Neues.

00:36:41: Ich fühlte mich nur noch ausgelaugt und habe mich so ein bisschen mit mir selbst gelangweilt oder gelangweit wäre noch zu nett eigentlich ausgeholt.

00:36:49: Ich war frustriert mit mir selber und dann hab' ich eben bewusst gesagt, ich muss aufhören!

00:36:53: Ich brauche irgendwie eine Pause...ich muss mal auf Null gehen?

00:36:55: Kein Repertoire, weil ich habe halt so viel Repertoires immer noch gespielt, aber ich war in Stuttgart auch noch als Gast ...und ich muss mal Null machen zu Atem wiederkommen, mich selbst weiterentwickeln.

00:37:09: Damit ich dann als neue Schauspielerin auch oder mit einer neuen Art zu sein auch wieder mich Figuren nähern

00:37:17: kann.".

00:37:18: Was sich ein

00:37:18: ziemlich mutiger Schritt finde, zu sagen Ich spüre mich gerade nicht oder ich komme mit mir nicht klar und jetzt mache

00:37:23: ich einen Stopp.

00:37:24: Also das ist ja selten dass man so reagiert zu sagen stoppe jetzt was ich gehe aus etwas hinaus und weiß gerade nicht weiter, aber es wird sich schon... also ich gehe ja eigentlich praktisch ins Nichts ein bisschen.

00:37:34: Ja!

00:37:35: Aber wenn der... Ich finde das Privileg was ich habe ne?

00:37:38: Dass ich gefragt werde dass ich tolle Sachen machen kann und wenn ich dann fast nur noch Frust empfinde oder Schmerz bei dem da was ich da tue ist das so ungesund und dann kann uns das auch nicht sein, dass das die Alternative war.

00:37:51: Also mich da jetzt noch zehn Jahre zu quälen, bis ich wahrscheinlich dann gesundheitlich wirklich krank werde.

00:37:55: Weil mein Körper dann sagt lasst es bitte!

00:37:58: Das wollte ich mir eben auch nicht geben und das insofern war der Druck für mich persönlich schon sehr groß zu sagen mach eine Pause Schöpfe, neue Kraft und Atom.

00:38:07: Und es hat ja dann auch so funktioniert?

00:38:08: Das wusste ich natürlich nicht!

00:38:10: Es hätte auch sagen können, dass ich nie wieder zum Theater zurückgehe.

00:38:13: Aber Gott sei Dank bin ich ja zurück gegangen... Was sehr

00:38:17: schön ist für uns alle.

00:38:19: Ich bin auch sehr glücklich darüber weil ich liebe das Theater.

00:38:22: Guck mal als wir eben übers Talier gesprochen haben wie ich dann gleich merke ganz große Liebe und ich brauche sie auch und das ist auch mein.

00:38:29: ich glaube mittlerweile sogar das ist meine wirklich meiner großer Ausdruckskraft und Stärke.

00:38:35: Ich kann ohne das Theater gar nicht leben.

00:38:37: Also ich bin Schauspielerin fürs Theater, dass ich auch filmen machen kann und so.

00:38:40: Das ist ganz toll!

00:38:41: Und das will ich auch nicht missen.

00:38:43: aber ich glaube meine Seele ist für's Theater geschaffen oder mein Sein, meinen Schauspielerinnen sein.

00:38:51: Da muss ich immer weiter aufpassen, dass es... Dass ich gesund bleibe, dass mich nicht zu sehr erschöpfe darin, dass sichs immer irgendwie gern mache.

00:38:59: Dass man sich die Liebe dafür erhält.

00:39:01: Genau.

00:39:03: Total wichtig, weil man da... Ja genau.

00:39:06: Sonst kann man es nicht machen.

00:39:06: Wenn man

00:39:07: die Verantwortung

00:39:09: liebt ist das auch die Verantwortung zu erhalten?

00:39:12: Genau und das ist wie in der anderen Beziehung auch.

00:39:14: Da muss man immer mal wieder, gibt's natürlich Taylor aber dann muss man auch gucken dass man da wieder rauskommt und schaut was kann ich tun um wieder an meine Kraft zu kommen.

00:39:24: Außerdem

00:39:24: finde ich es ziemlich gut, dass man weiß wie.

00:39:26: wir erzählen ja von so vielen ... Wir sind ja so am Erzählen über Inhaltliches und Politisches und das Leben und die zwischenmenschlichen Beziehungen Und wenn man dabei so ein Betrieb ist dann mal locht man ja so und kommt in dieses Hamsterrad irgendwann mal hat man ja gar nichts mehr zu erzählen.

00:39:41: Ich finde diese Aufgabe haben wir ja eigentlich auch Zu leben sich ins Leben zu bringen damit man noch was zu erzählt oder wieder etwas zu erzähln.

00:39:49: Dass nicht einfach.

00:39:49: was behauptet

00:39:51: dass man was zu erzählen hat und man kann es eben auch.

00:39:53: Es ist halt kein Schreibtischjob, ich finde, man kann ihn als Hamsterrad nicht machen.

00:39:58: Also ich kann das total nachvollziehen weil wenn man's dann nicht mehr mag, dann wird man so depressiv darüber, das zu tun.

00:40:07: Und genau, es ist die absolute Verpflichtung sich das zu erhalten.

00:40:11: Das erhält nur damit die Qualität.

00:40:15: Aber der Betrieb versteht das manchmal nicht?

00:40:16: Ja, das versteht

00:40:17: es gar nicht!

00:40:20: Ich glaube sowieso muss

00:40:21: das immer wieder besprechen.

00:40:24: Das ist doch immer wieder so erschreckend oder traurig auch, dass das was wir machen unser Beruf den kannst du eigentlich keinem erklären das nicht macht.

00:40:31: also das sind allen anderen beim Film überall wo man hinkommt Bei der Steuererklärung überall, wo du hinkommst ist es einfach... Es ist nicht zu verstehen.

00:40:39: Was wir machen ist nicht so zu verstehen und deswegen ist das so hart für uns.

00:40:42: Wir müssen eigentlich unglaublich...

00:40:43: Es sieht ja auch so leicht aus als

00:40:45: Gutes!

00:40:45: Und wir müssen total sensibel und offenporig sein und gleichzeitig muss man sich unglaublich wappnen in dem Leben damit durchzukommen weil wir so angreifbar sind und uns alle angreifen.

00:40:58: Das finde ich auch wieder eine Diskrepanz die man immer wieder... Da muss man ein Spagat legen.

00:41:04: Fritzi, wann ist für dich eine Arbeit erfüllend und gut?

00:41:08: Also wann hast du das Gefühl jetzt ... ja.

00:41:15: Jetzt!

00:41:18: Das sind sicherlich mehrere Faktoren.

00:41:20: also erst mal wenn ich wirklich mich auf jede Probe als so gut jeder ist vielleicht auch übertrieben aber oft die Proben freue.

00:41:27: Ich gebe morgens gern zur Probe.

00:41:29: Ich freue mich auf meine Leute, die da auf mich warten.

00:41:32: Ich freu mich auf den Prozess ein Stoff so zu bearbeiten, dass wir was zu erzählen haben.

00:41:40: Dass das auch über die Ramp bekommt und wir es nicht nur für uns selber erzählen sondern wirklich etwas mitzuteilen haben und das aber wirklich mit Freude machen.

00:41:47: also das ist jetzt gerade seit meinem Neuanfang mir das wichtigste dass ich da auch selber einen Gewinn von habe und irgendwie gut aus einer Vorstellung gehe zwar vielleicht körperlich erschöpft aber eigentlich aufgeladen mit Freuden oder mit Euphorie.

00:42:05: Und das ist jetzt mal so ganz, vielleicht das Erste was mir dazu einfällt und wenn es dann noch thematisch und inhaltlich mir sinnvoll erscheint und erzählenswert erscheinend und ich wirklich weiß warum ich da auf die Bühne gehe und den Leuten da den Abend stehle, dann ist das natürlich ideal.

00:42:28: also dann ist es wahrscheinlich das allerallerbeste.

00:42:31: Und dann ist Theater für mich die beste Sache der Welt, die ich machen kann.

00:42:37: Aber das was immer noch etwas von diesem kindlichen Spielen hat, das ist mir irgendwie wichtig.

00:42:42: Das muss jetzt bei mir da sein, sonst verliere ich ... Ich weiß nicht, warum ich das mache eigentlich nicht mehr beantworten.

00:42:53: Ich muss mal einen Schwenk machen?

00:42:55: Du hast Daniel tatsächlich nochmal etwas anderes angefangen.

00:42:59: Ich weiß nicht, ob das in der Zeit war, wo du diese Theaterpause gemacht hast oder davor schon.

00:43:04: Du hast eine Ausbildung gemacht?

00:43:06: Ja ich glaube es kam ein bisschen zusammen ja mit Krise.

00:43:11: So wie heißt die Sterbebegleitung?

00:43:15: Wie kam's dazu?

00:43:23: Also für das Thema interessiert klingt so ein bisschen komisch aber das Thema Tod und Sterben Ich suchte immer schon einen Platz in meinem Leben.

00:43:30: Ich bin da schon seit Kind mit beschäftigt, dass das dieses Phänomen gibt und dass sehr wenig stattfindet in der Öffentlichkeit.

00:43:38: aber es ist nun mal da wir sind sterblich und ich habe davor auch Angst und es beschäftigt mich schon immer sehr.

00:43:43: Und dann hab' ich irgendwann mal ein Zeitungsartikel gelesen, dass es eben das gibt, das Ehrenamt Sterbebegleitung.

00:43:49: Und ich habe die Artikel gelesen, das ist aber schon Jahre her und er hat gesagt, boah, das würde ich gerne machen!

00:43:54: Ich glaube, dass es mir gut tun könnte – auch dass ich es könnte.

00:44:00: Das würde dem Thema einen guten Platz geben.

00:44:05: Dass ich mich damit weiter auseinandersetze auf eine Art und Weise, die sinnvoll und gut

00:44:11: ist.".

00:44:12: Und dann starb mein Vater vor einigen Jahren und sehr plötzlich, mit diesem Thema noch mal ganz stark in Berührung.

00:44:18: Uns hat mich sehr erschüttert und ich habe mir so eine Frage gestellt was willst du denn noch machen, solange du lebst?

00:44:25: Was sind deine unerfüllten Wünsche?

00:44:27: und wie kannst du das Leben noch mehr... greifen und nicht immer alles aufschieben.

00:44:32: Und dann kam ziemlich schnell dieser Wunsch mit diesem Ehrenamt, das würde ich eigentlich schon immer machen weiß aber nicht wie das mit unserem Beruf vereinbar ist weil es muss eine Regelmäßigkeit geben schon diese Ausbildung dafür muss sich Zeit haben und dann muss ich regelmäßig Menschen besuchen.

00:44:45: also jetzt bin ich immer im Hospiz stationären regelmäßig und das dachte ich früher auch dass geht ja gar nicht mit dem beruf aber da habe Phase beschlossen, das geht.

00:44:56: Wenn ich das will dann geht es, da muss sich das mit allen kommunizieren.

00:44:59: Also erst mal in meiner Agentur und wenn ich irgendwie Proben habe jetzt, dann sage ich, ich werde gerne Dienstag nachmittags frei weil ich da ins Hospiz gehe.

00:45:07: Wenn das möglich ist lasst uns das doch einrichten.

00:45:09: mir ist das wichtig und prompt geht auch relativ viel Und es ist wirklich sehr selten... Ich mache jetzt schon glaube ich fast sieh mehrere sechseinhalb Jahre.

00:45:17: Es ist selten eine Phase gewesen wo ich gar nicht ins hospice gehen konnte.

00:45:20: also Ich bin da wirklich sehr regelmäßig und ideal für jeden Dienstag,

00:45:26: Nachmittag.

00:45:28: Wie war diese Ausbildung?

00:45:32: Was macht man in dieser Ausbildung

00:45:34: da?

00:45:35: Das war ein gutes halbes Jahr, jeden Donnerstag nachmittagsabend hat sich die Gruppe getroffen und dann gab es noch zwei so intensiv Wochenenden Und man lernt eigentlich oder man beschäftigt sich mit allen Themen, die zum Thema Sterben gehören.

00:45:51: Also man trifft jetzt mal ganz pragmatisch Bestatter oder eine Bestatterin haben wir getroffen, die von ihrem Job erzählt werden aber auch Menschen von einem Pflegeteam getroffen.

00:45:58: Man lernt so ein paar kleine Sachen zum Thema Pflege, lernt man selber, paar Handgriffe das du weißt, paar Begriffe.

00:46:05: dann aber geht es natürlich sehr viel um die Seelenarbeit.

00:46:08: also wie kann ich psychologisch selber stark sein, um diese Situation dort auch auszuhalten.

00:46:15: Aber eben auch Menschen vielleicht helfen die dort im Hospiz sind oder im Pflegeheim sind – ich bin am Anfang auch ins Pflegeheime und so gegangen -, um die zu unterstützen in diesem Prozess des Sterbens.

00:46:27: Weil das ist klar, dass sie sterben

00:46:29: werden?

00:46:29: Genau!

00:46:29: Im Hospiz ist das klar und selbst im Pflegeheim wenn ein Sterbebegleiter also ich finde den Begriff eigentlich nicht so gut weil es findet noch sehr viel Leben statt bis zu dem Zeitpunkt, wenn ein Mensch stirbt.

00:46:39: Aber auch da wird man eigentlich gerufen, wenn die Menschen schon so auf den letzten Metern sind.

00:46:47: Dass sie einfach nicht allein sind.

00:46:48: Also oft sind das ja Menschen, die eben keine Angehörigen haben oder so und dann werden wir angerufen.

00:46:56: Das nennt sich dann ambulanter Hospizdienst.

00:46:58: So habe ich angefangen dass man eigentlich zu den Menschen geht auch teilweise nach Hause Und jetzt bin ich aber im stationären Hospiz gelandet, weil ich die Arbeit dort halt auch so schön finde mit dem Pflegeteam zusammen.

00:47:08: Da kenne ich die alle jetzt schon jahrelang und das hat mir dann irgendwie mehr getaukt...

00:47:14: Dass du immer diesen einen Ort?

00:47:15: Genau dass ich den einen Ort habe und da ganz regelmäßig hingehe und da auch alles weiß und kenne und so.

00:47:20: Aber was war jetzt gerade die Frage?

00:47:24: Was man lernt in der Ausbildung.

00:47:26: Und so lernt man ihn auch, also wir mussten uns sehr viel mit uns selbst beschäftigen... Also was hat man selber für Erfahrungen?

00:47:33: Mit Trauer oder wir haben sowas gemacht wie schreib einen letzten Brief du hast eine wichtige OP vor dir.

00:47:39: stell dir vor du darfst jetzt noch einen Brief schreiben Du weißt aber nicht ob du diese OP überlebst.

00:47:43: Was schreibt man dann in so einem finalen Brief?

00:47:46: Weißt du um sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst zu werden und seinen eigenen Ängsten vielleicht auch zu stellen Seinen eigenen Alles was man so selbst vielleicht nicht so gut bearbeitet hat, das war schon für mich eine große Selbsthilfe dieser Ausbildung.

00:48:05: Aber wenn man dann echte Menschen trifft ist es ja wichtig, dass man mit sich selbst... klar ist, dass ich da nicht mein eigenes Ding jedes Mal verhandel.

00:48:12: Weil dazu ist es nicht da, das ist nicht meine Therapie.

00:48:15: Dass ich ins Heuspiz gehe sondern es ist... Ich bin einfach nur für die anderen Leute da und bin möglichst so wenig Problem wie's nur geht in dem Moment.

00:48:25: Gibt es wenn du die anderen deine Kollegen und Kolleginnen siehst hast du das Gefühl irgendwas verbindet diese Menschen?

00:48:32: Warum man sich dafür entscheidet Sterbebegleitung zu machen?

00:48:36: auf jeden Fall, obwohl wir sehr unterschiedlich waren.

00:48:39: Aber das war doch so schön als ich diese erste Treffen mit der Gruppe da stattfand.

00:48:44: Da hab' ich dann auch ziemlich schnell gesagt, obwohl die mich alle auch... Schauspieler ist ja völlig uninteressant in dem Zusammenhang aber ich habe nur gesagt, es ist so verrückt!

00:48:52: Das letzte mal, dass ich mit so einer Gruppe von Leuten war, war erster Tag Schauspielschule wo etwas war was ich so interessant fand und toll fand um mich herum niemand sonst interessiert hat, der Schausspielschule bei diesem Sterbebegleitungskurs, auch wieder um mich herum.

00:49:07: Oh Gott, über tot und sterben will ich nicht

00:49:08: reden.".

00:49:09: Und dann sind Leute die auch sagen, oh, mich beschäftigt das schon immer!

00:49:12: Das haben sie gesagt.

00:49:14: Da fühlte ich mich wieder so, dass ich dachte, ich habe endlich eine Gruppe gefunden wo mein Thema auch resoniert.

00:49:22: Das war für mich unglaublich schön und sehr verbindend natürlich auch.

00:49:27: Obwohl es wirklich super unterschiedliche Leute waren, war da sehr schnell Ja, sehr nahe Atmosphäre.

00:49:36: Und hat sich dein Verhältnis zum Tod dadurch geändert?

00:49:41: Naja ... Ich muss sagen, dass die Angst vor dem Tod, die ich habe, nicht unbedingt ... Sie ist nicht weg!

00:49:51: Aber es hilft mir, mich jedem jede Woche zu stellen und eigentlich auch wenn ich im Hospiz selber bin, zu sehen, das hat alles seine Zeit Richtigkeit.

00:50:02: Das stinkt jetzt ein bisschen hart, vielleicht für Leute die gerade in dem Prozess nicht befinden oder Angehörige sind aber eigentlich habe ich immer das gibt mir dort eine große Ruhe und einen Frieden und eine Entspannung diesem Thema zu begegnen.

00:50:17: Es ist alles eine Frage der Zeit Und das macht mich dann schon... Das entspannt mich dann für den Moment.

00:50:25: Also meine Todesangst geht ja nicht deswegen komplett weg.

00:50:27: Aber es gibt einen Ort der mich tröstet Und das ist das Hospiz.

00:50:34: Weil wir da miteinander auch sind, also jetzt hab ich grad wieder so das Gefühl mein Thema am Hospiz ist oft Zusammensein.

00:50:41: Menschen sind nicht allein in keiner Situation.

00:50:44: es ist weder der Sterbende noch die Angehörigen ja?

00:50:47: Auch für die bin ich halt.

00:50:48: oder sind wir alle da vom Team und das ist eigentlich das was ich gerade wieder so dass schönste auch an dieser Arbeit findet zu sehen wie menschen sind am allerbesten wenn wir zusammenhalten und miteinander reden oder Händchen halten, weißt du?

00:51:04: Und das ist eigentlich das, was mir die größte Kraft da im Hospiz auch gibt.

00:51:09: Das Miteinander ... Ich bin ja nur so eine Fläche für die, die weiß ich ganz oft gar nichts von mir.

00:51:17: Aber auch das nur dazu sein mitzuatmen und auszuhalten, das ist so beglückend für mich!

00:51:24: Ja, man sagt dir aber auch dass es das Hilfreichste ist wenn man sich selbst wirklich zuhört wenn man wirklich da ist.

00:51:33: Wie würde es zu sagen, wie gut gehen wir hier in Deutschland mit Traurigkeit und Trauer?

00:51:42: Mit dem was dann kommt, wenn jemand gestorben ist?

00:51:44: Naja das ist erstmal eine ganz große Hilflosigkeit bei den meisten Menschen Leider immer noch ein großes Schweigen habe ich den Eindruck, weil die meisten Leute nicht so richtig wissen was sie jemandem sagen sollen oder was hilfreich sein könnte.

00:52:00: Davon abgesehen, dass ich ja glaube das ist auch etwas was ich im Hospiz lerne es gibt nicht für alles eine Lösung und es gibt auch nicht immer einen Bessermachen.

00:52:09: Es gibt nicht die richtigen Worte die wirklich trösten oder die wirklich die Trauer minimieren.

00:52:13: Die gibt's eigentlich gar nicht.

00:52:15: aber es gibt eben einen Dasein und ein verständnisvolles

00:52:18: Aushalten,

00:52:19: dass der andere so traurig ist?

00:52:21: Ja.

00:52:21: Überhaupt aushalten.

00:52:22: Genau!

00:52:23: Dass ich ja vielleicht auch jetzt nichts machen kann.

00:52:25: Ich kann es nicht lösen aber ich kann's mithalten und ich kann da sein... Und das würde ich natürlich.

00:52:33: deswegen spreche ich das schon auch gerne drüber weil ich einfach glaube, dass jedes Gespräch über dieses Thema dann auch helfen kann wenn man selber in die Situation kommt Und den Mut zu haben, dann auch drüber zu reden und nicht zu denken.

00:52:47: Ich will die anderen gar nicht belasten.

00:52:49: Die anderen denken ja ich will jetzt auch nicht fragen weil ... Dann geht's der Anderen wieder schlecht oder so.

00:52:53: Ich glaube Gesprächsangebote sind immer das Beste und da kann man gucken wie sehr jemand darüber reden will.

00:52:59: Aber es ist immer noch eine Nische und das finde ich echt schade, weil es betrifft uns alle und sobald wir selber damit konfrontiert sind, sind wir eben auch hilflos und merken

00:53:10: Boah, ist das

00:53:11: blöd.

00:53:11: Dass ich mich selbst in so einer Nische befinde?

00:53:14: Ich gehöre ja auch zu denen, die unglaubliche Angst vom Tod haben, dass wir uns schon mal drüber unterhalten und sagen, ich will damit gar nichts zu tun haben oder permanent von dieser Todesangst verfolgt werde ... Und aus eigener Erfahrung jetzt mit dem Thema, dass ich das da so empfunden habe dass eben genau diese Menschen, die im Pflegeheim oder im Hospiz arbeiten so den Umgang damit zu haben der so unglaublich toll ist und was ich total bestätigen kann dieses gemeinschaftliche Gefühl dieses Dasein.

00:53:55: Und aber es ist wie eine andere Welt.

00:53:58: also Ich fand den Wechsel vom Im Pflegeheim zu sein wo jemand stirbt und rauszugehen wieder in die normale welt Das war wie parallel oder Sinn für mich immer noch so Parallelwelt.

00:54:13: Und das ist ganz krass, weil ja der Teil von uns, also der uns alle betrifft ... Aber das Sterben in der Gesellschaft und gar nicht mit Vorwurf hat hier keinen Raum oder Platz, sondern es ist trotzdem komisch abgetrennt.

00:54:30: Ich glaube ein Teil für mich hängt auch damit zusammen, dass durch die Gesellschaft, in der wir leben So habe ich das jetzt empfunden, dass es halt eben diesen Ort der so dann so speziell und so weg ist.

00:54:44: Also wie das Pflegeheim oder das Hospiz, dass Menschen viel weniger in ihren Familien sterben... Das hab' ich jetzt gemerkt, dass's nicht so Rituale gibt wo Menschen also Trauerzeiten da sie aufgebahnt sind zum Beispiel alles was passiert ist.

00:55:02: In dem Sterbepfalt in meiner Familie war immer gegen das eigene Gefühl eigentlich, was man jetzt bräuchte oder wie es sein müsste und da machen wir etwas, wo ich so denke, ich verstehe plötzlich warum es eigentlich bestimmte Trauerzeiten gibt, warum auch eine ganze Familie vielleicht für Tage in einem Raum sitzt, wo ein Mensch aufgebahnt ist, dass es ein gemeinschaftliches Singen gibt.

00:55:29: Also dass man Dinge tut, weil es ist so... Es ist nicht zu begreifen das ein Mensch stürmt.

00:55:34: Das ist für mich auch immer noch nicht zu begreifen.

00:55:38: und dann ist das aber so.

00:55:41: zimmer werden geräumt.

00:55:43: Ein paar werden zur Krematorien gefahren die sind in Industriegebieten da passieren dann Dinge Dann gibt es anderswo Termine.

00:55:54: Es ist natürlich, weil wir die Religion nicht mehr haben.

00:55:57: Die uns diese Rituale schenkt?

00:56:00: Das ist das schöne Wort und die fehlen aber total!

00:56:04: Und ich finde das auch immer.

00:56:05: wenn zum Beispiel im Hospizien man stirbt... Wenn der Mensch gestorben ist, noch mal alle zusammen.

00:56:10: Das ist so selten!

00:56:12: Aber ich finde das jedes Mal so schön und es hilft jedem einzelnen Menschen dabei.

00:56:16: Weil viele sagen, ich habe Angst den Toten zu sehen oder die Tote zu sehen.

00:56:19: Ja, das ist sicherlich auch erst einmal ein schockierender Anblick aber was danach passiert?

00:56:25: Es ist so befreiend und tröstlich dass Eigentlich nur traurig finde, wie oft das eben nicht passiert.

00:56:32: Und dass dann genau dieses Ritual aufbahren ... Ich durfte zum Beispiel einmal eine Verstormende mitwaschen.

00:56:39: Das ist so toll!

00:56:41: Das ist überirdisch wichtig eigentlich zu tun.

00:56:46: oder es passieren da so verrückte Sachen mit einem selber ja auch weil man's auch alles nicht begreifen kann und gleichzeitig gibt's eine unglaubliche Verbindung und es ist unglaublich normal und gleichzeitig überirdische weißt du?

00:56:59: Und deswegen sind diese ganzen Vorgänge so wichtig, glaub ich.

00:57:02: Ich kann immer nur appellieren ... Sie werden niemandem sagen, er soll irgendwas tun.

00:57:05: Aber stellt euch diesen Vorgängen und stellt euch auch selbst wenn jemand ... Es gibt Menschen, die kommen nicht mehr besuchen weil sie vor dem Kranken so Angst haben ja?

00:57:15: Ich versteh's okay, wenn das für dein Seelenhal besser ist aber Eigentlich passiert immer was Gutes.

00:57:20: Ich habe noch niemand aus Mosbyz gehen gesagt, ich bereue, dass ich gekommen bin.

00:57:23: Es hat noch nie jemand gesagt es ist immer etwas Befreiendes und eigentlich immer ein Geschenk zu sehen.

00:57:29: das ist so.

00:57:30: aber alles menschliche isst Wie heißt es bei Bachmann, alles menschlich ist erträglich oder so ähnlich?

00:57:35: Na ja da und man merkt jetzt zum Beispiel wenn man das sich dem gestellt hat dass man das ja hinbekommt.

00:57:40: Ja Und dann passiert hier wirklich was Neues und schon interessant dass wir auf diese Welt kommen Wir sind alle bei der Geburt dabei und dann wachsen wir und wollen eigentlich das sterben.

00:57:49: dass Schwachwerden, das Altwerden wollen wir alle irgendwie nicht haben.

00:57:53: Und ich finde es deswegen schade, weil ich das Gefühl habe, schade ist, wenn ich jede Erfahrung in der Welt oder im Leben machen will und da gehört das ja einfach mit dazu.

00:58:01: Existenziell

00:58:01: gehört's dazu?

00:58:02: Es absolut!

00:58:03: Und sehr viele Menschen bauen ja auch ihre gesamte Identität oder Existenz um dieses Thema Sterben herum indem sie zum Beispiel extrem verdrängen oder indem Sie wie verrückt arbeiten bloß, um nicht stillzustehen, um zu merken, oh irgendwann hört dieser Atem vielleicht mal auf.

00:58:19: Es ist natürlich ein schlimmer Gedanke, aber sich dem nicht zu stellen kann auch zu Extremverhaltensweisen führen die nicht gut sind.

00:58:28: Ich zum Beispiel war beim Tod meiner Großmutter dabei und das haben meine Eltern entschieden.

00:58:32: wir waren dann noch klein und ich bin denen sehr froh dass wir dabei waren weil da ich hatte zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so viel über sowas nachgedacht.

00:58:39: also ich war schon eine halb Erwachsene.

00:58:42: Aber z.B was ich nie vergessen werde ist zu verstehen dass es eine Seele gibt die geht.

00:58:47: Das werde ich mein ganzes Leben einfach nicht vergessen.

00:58:49: Es hat meinen Leben auch verändert zu wissen, meine Oma war also Ich war da bei ihrem letzten Atemzug und sie hatte es schwer weil Sie hatte keinen Bock auf den Tod und jetzt bis zum Schluss richtig gekämpft war auch eine krasse Frau.

00:59:04: Und als das passiert ist dass alle in dem Raum es hat sich einfach was verändert.

00:59:08: und dann waren wir alle waren Alle gemeinschaftlich ich würde sagen durch den tot weil wir alle gespürt haben, sie ist jetzt noch da.

00:59:16: Jetzt passiert irgendwas ganz Besonderes was ich bis heute keine Wort für habe und alle hatten dann gleichzeitig das Bedürfnis des Fenster zu öffnen und danach war sie weg.

00:59:24: also meine Großmutter war dann weg Und dafür bin ich meine Eltern sehr dankbar, dass sie damals gesagt haben natürlich seid ihr dabei.

00:59:36: Natürlich kriegt ihr das mit, das ist Leben.

00:59:38: Also Tod isst auch Leben und da hab' ich jetzt erst kapiert, dass da meine Eltern ziemlich gut

00:59:43: von Lena... Das ist super!

00:59:45: Weil die meisten wollen ja immer Kinder davor schützen.

00:59:48: aber wenn ich Kinder am Hospizalebe sind, Kursten und fröhlichsten, nehmen das sehr pragmatisch.

00:59:55: Die nehmen's so wie es ist, die machen sich nicht so ein Kopf für wir.

00:59:59: Ich find's eher gut sie einzubeziehen auch.

01:00:01: Ja, finde ich

01:00:03: ja.

01:00:04: Ist das einfach für dich?

01:00:06: Weil ich das eben empfunden hab, dass parallelwelten dieses Eintauchen in die Hospizwelt rauszugehen ... Und der Mittwoch ist dann wieder die normale Arbeit.

01:00:18: Man macht jetzt schon sieben Jahre.

01:00:22: Total daran gewöhnelt.

01:00:23: Ich find's fast eher... ich freu mich dann, also oft das hingehen.

01:00:26: zum Beispiel freue ich mich wahnsinnig weil ich eben weiß, dass ist sowas anderes!

01:00:31: Ich verlasse diese ganzen nervigen BVG-Probleme nenn ich es jetzt mal wenn ihr wisst was ich meine.

01:00:36: Also die ganzen nervigen Sachen die einem so unglaublich viel Kraft kosten aber eigentlich so pillepalle sind und das verlasse ich jetzt alles oder auch den Hirnkrampf, dem man sich macht wegen irgendwas und geht dahin.

01:00:48: Und dann bin ich nur da.

01:00:49: Ich bin komplett im Hier-und-Jetzt.

01:00:52: Das ist für mich ein so extrem gutes schönes Gefühl.

01:00:57: Und ich tue was Sinnvolles!

01:00:59: Es ist so klar das alles, was ich dort tue, sinnvolle ist.

01:01:01: Aber

01:01:02: ich bin

01:01:03: da, dass ich mich richtig darauf freue und diese Auszeit vom normalen Leben auch brauche.

01:01:09: Ich bring ja trotzdem etwas mit von der anderen Welt.

01:01:13: Ich finde es auch okay, dass das ein anderer Raum ist.

01:01:14: Natürlich, ich glaube wenn man regelmäßig einen Angehörigen jetzt irgendwo besucht oder so, dass diese zwei Welten schwerer zusammenzukriegen sind.

01:01:20: aber für mich ist das ja trotzdem noch mal was anderes.

01:01:23: Ich gehe da...ich weiß wo ich dahin gehe und lass eben den Teil draußen, bringe aber auch einen Teil mit.

01:01:28: und wenn ich dann zurückgehe, find' ich's eben auch ganz schön, denn den Abend immer diesen Dienstagabend, da bin ich noch mal ganz anders drauf natürlich weil ich komme woher?

01:01:39: Echt andere Sachen erlebt habe oder Geschichten gehört habe und finde diese Übergänge auch wichtig.

01:01:45: Und finde es aber auch nicht mehr schlimm, dass das wenig zu tun hat.

01:01:48: Davon habe ich gesagt, dass ich oft davon erzähle und dann hat's plötzlich ... Dann fragen mich heute, wo was denn heute?

01:01:52: Ich war im Hospiz und dann kommt gleich ein Gespräch zustande im besten Falle.

01:01:56: Dann hab' ich das ja wieder in die Welt getragen und ist nicht mehr ganz so versteckt.

01:02:00: Aber

01:02:00: du machst auch ganz normale Sachen Dienstagsabend.

01:02:03: Ja!

01:02:04: Ich habs eigentlich lieber wenn ich nichts hab', also das hab ich irgendwie rausgefunden, weil es gibt immer noch um achtzehn Uhr gemeinsames Abendbrot und dann essen alle, die können, um da das Pflegetiemen vor allem Umarmbrot, das ist einfach ein wahnsinnig schöner Moment.

01:02:17: Ich liebe es und wenn ich das noch miterleben darf und da eben auch in Ruhe noch sitzen kann bis zu neunzehn Uhr.

01:02:24: dann noch die Spülmaschine mit ein- und ausräume, dann gefällt mir das besser weißt du?

01:02:28: Weil der Abend so schön austropft wird, dann gehen alle langsam auf ihre Zimmer und dann ist der Get-Cat also die Abendruhe ein und ich gehe als wenn ich weiß oh ich muss Punkt achtzehn uhr los weil ich geh nachher noch ins Theater.

01:02:39: Aber ich mach das auch, hab' ich jetzt schon gehabt.

01:02:42: Ich kann das nicht immer so teilen dass ich dann abends nichts zu tun habe.

01:02:45: Aber Fritzi sag mir doch noch mal wie läuft es ab?

01:02:47: Du kommst da rein und dann besuchst du Frau und Herrn So-und-So in ihren Zimmern.

01:02:53: Redest du mit denen erzählen die Geschichten, liest du was vor?

01:02:56: Also das ist ja unterschiedlich.

01:02:57: also ich betreue meistens einen Menschen intensiv.

01:03:01: Also wo ich was, ich besuche jetzt Herren oder Frau sowieso und das geht dann so lange bis diese Person stirbt.

01:03:08: aber meistens ergeben sich drum herum noch viel weitere Begegnungen und sie sind auch nicht alle auf ihren Zimmern.

01:03:13: wenn sie noch können sind sie auch eben manchmal im Wohnzimmer oder Sie werden mit dem Bett auf die Terrasse gefahren.

01:03:18: wir haben eine riesengroße Terrasste total schön.

01:03:20: oder es gibt natürlich auch viele Raucher oder Raucherin.

01:03:23: die werden müssen immer auf den Balkon gefahren werden zum rauchen und deswegen gibt's schon auch ein Leben außerhalb der Zimmer und so ergeben sich für mich auch mehrere Begegnungen pro Nachmittag.

01:03:34: Dann helfe ich oft in einer Küche mit, dann gehe ich zum Beispiel rum und frage jeden was er zum Abendbrot essen möchte.

01:03:39: Dadurch komme ich auch in Kontakt mit mehreren Menschen.

01:03:42: daraus eingeben sich dann wieder Gespräche.

01:03:45: Und so sind das immer drei oder vier Begegendungen eigentlich pro Nachmittag aber manchmal dauert es nur eine Minute und kann ich zwei Stunden sitzen Gespräche.

01:03:56: Ich lasse mir natürlich viel von der Biografie erzählen, weil ich das immer total spannend finde was die Leute... Das ist eine unglaubliche

01:04:01: Geschichte oder?

01:04:01: Ja,

01:04:01: ich habe wirklich unglaublich, ich hab ein Sammelsurium natürlich an Leben in mir so, was die Leuten mir immer so erzählt haben und auch oft sehr lustig, weil es sind ja auf Berliner, also die haben natürlich auch oft wirklich lustige Sprüche oder gehen mit dem Leben auch lustig um, auch mit den Situationen der sie sind und dass ... Also wir lachen, ich lache auch wahnsinnig viel im Hospiz!

01:04:21: Es ist wirklich auch...

01:04:22: Wie traurig ist ein Hospiz

01:04:23: eigentlich?!

01:04:24: Es ist eben gar nicht oft so traurig, weil das habe ich ja vorhin schon mal gesagt.

01:04:30: Deswegen finde ich auch Sterbebeleitung so komisch und es ist eigentlich...es ist auch eine Lebensbegleitung nur dass es der letzte Abschnitt ist aber der letzte Abstand, ich weiß nicht wie lange er dauert Und es kann auch noch.

01:04:42: ein einzelner Besuch kann so lebendig sein und trotzdem ist der Mensch in der nächsten Woche inzwischen gestorben.

01:04:49: Aber es war trotzdem unglaublich viel noch da und wir haben gelacht oder was weiß ich, was Mensch ärgerlich nicht gespielt.

01:04:56: Und insofern sind es gibt traurige Momente ... Aber es gab auch gar nicht so viele Menschen gewesen, um die ich geweint habe als sie gestorben sind.

01:05:06: Weil das irgendwie ... Ich weiß ja, worauf ich mich einlass.

01:05:10: Manchmal weint man mit Angehörigen zusammen, weil die dann so traurig sind, dass mich das rührt?

01:05:15: Oder so.

01:05:17: Aber auch da wäre's professioneller, ich würde es nicht tun.

01:05:22: Ja, es ergibt sich genauso wie es sich ergibt.

01:05:24: Ich bin da immer ganz pur und mach so gut ich kann aber es ist kein trauriger Besuch.

01:05:31: Und ich gehe vor allem jedes Mal wenn ich aus dem Hospiz komme, bin ich eigentlich glücklich.

01:05:36: auf eine Art... Auf eine noch ganz ruhige Art bin ich beseelt und deswegen geh ich auch jedes mal wieder gerne hin weil ich weiß das wird mir gut tun.

01:05:47: Alles in allem eine sehr schöne Zeit, weil selbst in der Traurigkeit ist es schön traurig zu sein.

01:05:52: Weißt du, das ist ein Gefühl?

01:05:53: Das darf dann raus und ...

01:05:56: Und das ist dein Ort wo das sein darf!

01:05:58: Wo das

01:05:58: sein kann, genau.

01:05:59: Ja.

01:05:59: Und wo man auch alle ermuntert.

01:06:01: Wenn jemand weinen muss, dann bitte weine, bitte lass ihn raus.

01:06:03: Weil

01:06:03: ich freu ich mich mir mehr auf als wenn wir wieder weinen dürfen oder so.

01:06:05: Allerdings

01:06:06: und wo alle Gefühle irgendwie richtig sind und wo jeder so sein darf wie er ist.

01:06:11: Das ist ja auch zum Beispiel, wenn wir diesem Amputztisch essen Im Hospiz wird keiner mehr verändert.

01:06:16: Da wird eigentlich auch keiner mehr kritisiert, da wird auch niemand mehr gesagt.

01:06:19: also geht es aber nicht.

01:06:20: und so wird gesagt nervt jetzt ein bisschen Aber wir machen das natürlich weißt du weil jeder wird so genommen wie er ist und versucht in diesen letzten Wie lange auch Tage wochen monaten So sein zu dürfen.

01:06:31: ja und dass sind natürlich manchmal Menschen die es nicht so leicht haben und dann auch aggressiv sind oder sowas.

01:06:36: aber auch das Versucht man.

01:06:38: dieses Pflegepersonal hat viel schwerer Die müssen das jeden tag aushalten.

01:06:40: aber auch die versuchen auszuhalten weil jetzt noch jemandem zu sagen

01:06:44: Äh,

01:06:46: ne?

01:06:47: Werd mal anders.

01:06:48: Werd man ein besserer Mensch ... Das ist Quatsch!

01:06:51: Sag mal in den sieben Jahren, die du das jetzt machst oder zwei Fragen.

01:06:55: Hast du da beobachtet dass es Menschen wenn Sie wissen sie ist es bald soweit oder sie sterben bald?

01:07:02: gibt es eine Ähnlichkeit dass Menschen plötzlich im Bedürfnis haben noch was zu erzählen oder noch etwas so sagen oder vielleicht was?

01:07:09: wie du vorgesagt hast ihr die Aufgabe in Brief zu schreiben?

01:07:12: gibt es da sowas wo der mensch sich äh, ähnelt im Bedürfnis kurz vor Schluss?

01:07:17: Oder ist es so individuell wie der Mensch individuell ist.

01:07:20: A und B hast du in diesen sieben Jahren bemerkt dass ein Leute einsamer werden also das weniger Familienmitglieder kommen?

01:07:28: Also damit ich einfach erstmal schnell b, ähm ja und das ist auch ähm.

01:07:32: also das finde ich auch jedes mal doch traurig.

01:07:36: Also wenn das erzählen wir dann v.a.

01:07:38: meistens sind da dann Ehepartnerinnen die dann sagen Ja jetzt kommt irgendwie keiner mehr.

01:07:42: Wir sind vielleicht noch ganz viele Leute da und dann wird's immer weniger, weil es eben doch eine Anstrengung bedeutet, die mal im Hospiz zu besuchen.

01:07:50: Aber es gibt auch andere Fälle wo immer ganz viele kommen.

01:07:52: Es gibt auch Fälle, wo niemand nie irgendeiner da war.

01:07:55: Also wo es einfach niemand mehr gibt?

01:07:57: Das ist natürlich...

01:07:59: Aber gut dass es euch

01:08:00: gibt!

01:08:00: Dann gibts mich!

01:08:02: Dann bin ich da und schenke dich

01:08:05: gerne in meinem Bett.

01:08:07: Ich würde mit dir viel.

01:08:10: Das ist eben auch so unterschiedlich, aber und mit diesem Sterben?

01:08:14: also man kann schon sagen es gibt bestimmte Sterbe Phasen zum Beispiel oder es gibt Bestimmte Sachen die wirklich in der letzten letzten Phase typisch sind für sterben eine gewisse Unruhe oder dass die Leute plötzlich aufstehen wollen Und dann sagt man so ja das die Spürness steht eine große Reise an Denken, sie müssen jetzt ein Koffer packen.

01:08:32: Weißt du das?

01:08:33: Dass sich das so im Gehirn irgendwie zusetzt... dass die sich das noch was mitkriegen aber nicht mitkrien, was eigentlich und das ist schon relativ typisch und das weiß zum Beispiel das Pflegepersonal auch oft.

01:08:43: Ah!

01:08:43: Das ist ja jetzt... Das ist schon Zeichen.

01:08:45: oder es gibt dann auch das Leute einfach aufhören zu essen irgendwann hören Sie auch noch aufzutrinken und dann weißt ihr auch okay das sind jetzt ist absehbar usw.

01:08:54: Und trotzdem ist es super unterschiedlich und man kann nie vorher wissen, wie lang es dauert.

01:08:59: Also Angehörige wollen oft wissen was denken sie denn?

01:09:03: Wenn ich jetzt morgen komme ist er dann noch da und sage immer das ich kann's ihnen nicht sagen.

01:09:06: also Ich kann sagen was ich für ein Gefühl habe aber dass wird wahrscheinlich nicht stimmen.

01:09:11: Natürlich hab ich oder manchmal sag ich auch nicht weil ich habe natürlich ein Gefühl so Aber das stimmt eben doch wirklich oft nicht.

01:09:17: Manchmal geht viel schneller als ich gedacht habe und manchmal dauerts viel länger als ich gedacht habe.

01:09:21: Und insofern habe ich meine Erfahrung mittlerweile.

01:09:26: Es macht jeder Mensch so, wie es für ihn wahrscheinlich richtig ist.

01:09:30: Im besten Falle, wie's für ihn richtig ist.

01:09:32: und das ist auch das was wir den Angehörigen oft sagen Auch

01:09:36: z.B.,

01:09:36: es gibt immer diesen Wunsch, dass man dabei ist beim Tod und wir sagen eigentlich immer und immer wieder Es kann sein, dass sie nur kurz aufs Klo gehen Und dann stirbt derjenige.

01:09:43: das ist aber nicht gegen Sie Sondern das macht er so Das will der so, das braucht derjenig So.

01:09:48: Manche

01:09:48: müssen's alleine machen

01:09:49: Genau Und viele müssen's allein machen.

01:09:52: Dieses romantische Bild alle sitzen ums Bett herum.

01:09:54: Du sagst ja was ganz tolles.

01:09:56: Aber das

01:09:58: war die Ausnahme für das Leben meiner Oma.

01:10:00: Ja ich weiß zu,

01:10:00: aber das ist auch wieder interessant Weil

01:10:02: die war immer alleine.

01:10:04: Aber eine Ausnahme würde ich jetzt hier

01:10:07: sein.

01:10:07: Sie ist auch interessant?

01:10:08: Ja oder sie konnte sich nicht wehren, vielleicht hätte sie uns aus dem Raum gehackt.

01:10:12: Vielleicht hättet ihr es auch gespürt weil eigentlich spürt man's immer so und die Leute machen das schon auch oft deutlich wenn sie zum Beispiel niemand mehr sehen wollen.

01:10:18: also es gibt... Ich habe aber auch einen Herrn lange begleitet der wollte am Ende auch seine Frau nicht mehr sehen.

01:10:22: Der wollte wie ne Katze oder wie ein Kater in dem Falle sich zurückziehen und sterben und das ist doch dann auch.

01:10:28: Das ist die Frage.

01:10:28: Sein Wille und sein... Und das finde ich auch absolut... Ich find es eigentlich ganz toll, wenn jemand diesen Willen noch äußert und für sich macht, weißt du?

01:10:40: Ja.

01:10:41: Oh Mensch!

01:10:44: Frezi, dass Du das machst und dass Du uns davon erzählt hast.

01:10:47: Danke, dass ich diese beiden Welten hier mit Euch teilen konnte.

01:10:51: Weil natürlich sind das auch zwei Welten aber in mir vereinen sie sich und das finde

01:10:56: Das finde ich auch richtig gut.

01:10:58: Und ich wünschte, wir könnten... Ihr müsst jetzt alle ganz viel anhören!

01:11:03: Weil ich finde das jetzt fehlen mir die Worte.

01:11:05: Jetzt wollte ich was ganz Schönes sagen und es kommt zu mir nicht mehr weil du hast es so schön gesagt dass sich die zwei Welten verbinden.

01:11:10: Ich glaube darum geht's.

01:11:11: Wusstet ihr eigentlich?

01:11:12: Es gibt ja die Theorie Kunst und Kultur machen, weil wir das einzige Lebewesen sind.

01:11:16: Die wissen, dass sie sterben müssen.

01:11:18: Das wäre eine schöne Verbindung zu dem, was wir tagtäglich

01:11:22: machen.

01:11:23: Und jetzt weiß ich wieder, was ich unbedingt entschuldigen hab.

01:11:25: Du wolltest schon, aber ich wollte nur ganz gut sagen ... Weil du hast vorher gesagt, man versteht es nur des Schauspiels, wenn man's selber macht!

01:11:33: Wir haben immer Probleme zu erzählen.

01:11:34: Jetzt beim Zuhören dachte ich gerade so schön, dass du uns von dieser Welt erzählst Weil wenn ich glaube, wenn man den nicht dabei sein darf und es nicht begleitet, dann weiß ich auch nicht um was das geht.

01:11:46: Und deswegen danke dir dafür dass du das jetzt mit uns teilst weil ... weil es ja warst... Ich hab gerade auch eher ein schönes Gefühl und ein berührt das als andersrum.

01:11:57: Sehr gut!

01:11:57: Danke.

01:11:58: Ich danke euch.

01:11:59: Magst du den Abschluss-Jingle bitte

01:12:01: spielen?

01:12:01: Und der ...

01:12:01: Den darfst du jetzt frei improvisieren.

01:12:14: Abaxa Ferrat und Julisch

01:12:15: K. Eichel.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.