kontext_files | Schwarze Löcher und forensische Landschaften
Shownotes
Das Verschwinden von Menschen produziert Gespenster – und schwarze Löcher in unserer Vorstellungskraft. In Lateinamerika spricht man zudem von Verschwindenlassen, eine Terrortechnik in Militärdiktaturen und Aufstandsbekämpfung, die sich in die Gegenwart fortsetzt.
Wie nähert man sich diesen Löchern, von denen es keine oder nur leere Bilder gibt – welche Sprachen können wir dafür finden?
Anne Huffschmid berichtet von ihren Filmrecherchen in den Gewaltlandschaften Mexikos, von forensischer Anthropologie als Grenzüberschreitung und Suchmanövern als Widerstand – und von den Versuchen einer Erzählbarmachung.
Dieser Vortrag entstand im Kontext der DT-Inszenierung Die Holländerinnen
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00:00:12:
00:00:21: Das Verschwinden von Menschen produziert gespenster und schwarze Löcher in unserer Vorstellungskraft.
00:00:27: In Lateinamerika spricht man zudem von verschwindenlassen, eine Terrortechnik in Militärdiktaturen und Aufstandsbekämpfung die sich in die Gegenwart fortsetzt.
00:00:38: Wie nähert man sich diesen Löchern?
00:00:40: Von denen es keine oder nur leere Bilder gibt?
00:00:44: Welche Sprachen können wir dafür finden?
00:00:47: Anne Hufschmidt berichtet von ihren Filmrecherchen in den Gewaltlandschaften Mexikos, von forensischer Anthropologie als Grenzüberschreitung und Suchmanövern als Widerstand.
00:00:59: Und von den Versuchen einer Erzählbarmachung.
00:01:08: Sie forscht und publiziert, zumeist in Forschungsprojekten am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin.
00:01:17: Ihre zweite Heimat war lange Zeit Mexiko – dort hat sie lange als Journalistin gelebt und später als Forschende gearbeitet.
00:01:24: Ihr Langzeitprojekt Forensic Landscapes kreiste um verschwinden lassen und forensischem Widerstand in Ländern wie Argentinien, Guatemala und vor allem Mexiko.
00:01:36: Der Vortrag fand am achtundzwanzigsten Oktober, zwei tausendsechs und zwanzig im Kontext von Die Holländerinnenstaat.
00:01:45: Vielen vielen Dank für die schöne Einladung.
00:01:47: nochmal herzlich willkommen.
00:01:50: schön dass Sie da sind das ihr da seid.
00:01:54: so ein richtiger vortrag wird das heute nicht eher deshalb gibt es hier auch keinen Pult was ursprünglich vor gesehen war und was man vielleicht so bei Kulturwissenschaftlerinnen erwarten könnte, sondern eher eine ja eine lose Reihe von Ideen.
00:02:10: Und auch von Bildern zu diesem Topos des Verschwintens der ja das der Roman und auch das Stück durchzieht die ja wissen vielleicht einige von ihnen die Roman gelesen oder das Stück Dann auch noch sehen werden, die auf einem realen Fall beruht.
00:02:31: Nämlich darauf das zwei holländische Touristinnen im April, aus einer Wanderung durch den jungenlandes Gebiet in Panama verloren gegangen sind, sag ich jetzt mal verschwunden sind der fall wurde nie aufgeklärt des wuchern Spekulation aller Art.
00:02:55: Und vor allen Dingen ist er für die Autorin und eben dann auch den Regisseur Katalysator, für eine Exkursion und auch eine Dschungelerfahrung besonderer Art können wir sagen in Lateinamerika gehört das Verschwinden lassen von Menschen seit Ende der neunzehntsechziger Das verschwinden Lassen von Menschen Seit Ende der Neunzehnzehnteigahre.
00:03:16: ins Report war der Terror Technologien Von Militärdiktatoren von Aufstandsbekämpfungen und heute eben der militärisch organisierten Kriminalität.
00:03:25: Mich hat in all den Jahren der Recherche dazu immer vor allen Dingen interessiert, wer sich diesen Verschwinden wie entgegenzusetzen vermarkt zu widersetzen vermarkt also weniger das Rätsel des Verschwindens an sich als die Neugier auf diese diejenigen, die sich dieser ungeheuerlichen und auf diese Ungeheurlichkeit, also das Besondere an dieser gewaltwillig will ich noch ein bisschen näher zu sprechen kommen.
00:03:54: Entgegenstellen, irgendwann haben wir angefangen das forensischer Widerstand zu nennen.
00:04:00: dass mag etwas eigentümlich klingen und ich gehe darauf noch näherein.
00:04:04: jetzt möchte ich Sie erst mal ganz kurz mitnehmen in diese Landschaften in denen wir relativ lange unterwegs waren und in denen all das geschieht ohne große Erklärung.
00:04:16: Auflaterne Meijer kommt Eine Wendung, von der ich immer nicht ganz sicher bin ob sie im Roman auch vorkam.
00:04:23: Ich meine ich habe sie dort gelesen die das Spezifische dieser Gewalt zum Ausdruck bringen.
00:04:31: La presencia de la auscencia Die Anwesenheit der Abwesenkeit Das bezeichnet eben nicht einfach nur die Erinnerungen an diejenigen die eben nicht mehr als lebende da sind die uns allen vertraute, tröst eine Vergegenwärtigung.
00:04:48: Sondern fast schon ihr Gegenteil dass nicht nur die Lebenden nicht mehr da sind sondern auch nicht die Toten.
00:04:54: und diese Abwesenheit tut etwas und das ist die Kernidee.
00:04:58: sie ist hyper präsent und außerordentlich wirkmächtig.
00:05:01: Sie brennt einen Loch in die soziale Vorstellungskraft die es ja für alles eben auch für das erinnern wie wer wissen braucht.
00:05:08: Wie soll ich jemandem gedenken von dem ich nicht weiß was ihm oder ihr geschehen isst oder er, oder sie tot und auch noch am Leben ist ob und wo sein oder ihr Körper geborgen oder eben auch begraben ist.
00:05:23: Diese Abwesenheit als bodenloser Limbo geschieht nicht einfach sondern wird immer wieder hergestellt.
00:05:32: das verschwinden lassen von Menschen liegt einen Schleier der Angst über die soziale Netze Also die sozialen Netze.
00:05:39: Im wirklichen Leben, die materiellen analogen Netze viel wirkt, sagen wir mal noch als das Schiere umbringen.
00:05:46: Das wussten die Untergeneräle damals und das wissen die Kartellchefs noch heute.
00:05:54: Ein argentinischer Forensiker von den ArgentinerInnen habe ich auf dieser langen Reise viel gelernt hat deshalb Paracidos, also die gewaltsamen Verschwundenen einmal dunkle Materie bezeichnet.
00:06:08: Aus ihnen speist sich eine Art schwarzes Loch, von dem auch bei Elmega die Rede ist.
00:06:14: Wir wissen dass sie da sind aber wir können ihrer nicht haphaft werden.
00:06:17: ihre an und gleichzeitig Abwesenheit entfaltet eine gewaltige Sokraft Die alle soziale Imagination zu verschlingen droht.
00:06:28: Zentral war Zu Beginn dieser Reise Und Bei allem was folgte.
00:06:34: Für mich und ich glaube grundsätzlich ist es so ein zentrales Moment diesen gewaltigen Unterschied zwischen dem Abgrund des Todes, vor dem wir alle einmal standen und immer wieder stehen werden.
00:06:46: Und dem das Verschwindens zu verstehen dass die Trauer, die wir alle kennen etwas Grundsätzlich anderes ist nicht notwendig weniger heftig als der Horror der Ungewissheit eben der Limbo Denn durch ihn werden die Abwesenden zu Untoten nicht als Nebeneffekt sondern in voller Absicht.
00:07:05: Wer denn diese angeblich verschwundenen Seien?
00:07:08: haben schon damals die Untergenerale auf Presseanfragen geantwortet?
00:07:12: Die seien ja wohl nicht tot, nicht lebendig, nie wie Rosny Muertos um so den Protest der Mütter und Großmütter, der Madras und Abuelas, Adabsobe und zu führen als ob da Wahnsinnige nach Gespenstern suchten.
00:07:28: Das hat dem Fall Argentinien nicht ganz geklappt, wie Sie vermutlich wissen.
00:07:33: Maseris und Dabuelas sind heute Ikonen einer gerade zu unmenschlichen bzw übermenschlichem Haltnäckigkeit.
00:07:41: Täter- und Mittäterinnen der Militärdiktatur kamen natürlich lange im Argentinian Lange Formilé ausnahmsweise zu Tausenden vor Gericht.
00:07:53: Dass das nicht geklappt hat, dass also das schwarze Loch das schwarze Loch des Verschwindens seine Sohkraft nicht unbegrenzt entfalten konnte, hat mit der Forensik zu tun.
00:08:03: Der forensischen Anthropologie genauer gesagt – nicht einfach als Knochen oder Menschenkunde oder als Kriminaltechnik sondern eine ziemlich einzigartige Fusion wie sie in Amerika zuerst in Argentinien nach Ende der Militärdiktatoren entstand als regierungs- und staatsunabhängiger.
00:08:23: Forensikerinnen Archäologinnen und Anthropologen immer auf Initiative der Familien begannen nach den Verschwundenen, den Verscharten und Verschleppten zu graben.
00:08:34: Friedhöfen im offenen Feld an Küsten und in den Wüsten.
00:08:42: Sie suchten um den Verschläbten von denen ja nur noch der Name gleichsam als Platzhalter da ist, einen Körper zurückzugeben.
00:08:53: Und Sie finden wenn sie viel Glück haben menschliche Gebäine den sie dann in aufwändigen Verfahren im Lorboer, wenn irgendwie möglich ihren Namen zurückgeben.
00:09:04: das ist immer eine Wette gegen die Wahrscheinlichkeit.
00:09:08: von denen bis zu dreißigtausend verschleppten von denen in der argentinischen Militärdiktatur die Rede Forensikerinnen, die sozusagen so als Pioniere dieser neuen Menschenrechtsforensik gelten.
00:09:27: Gerade mal in vierzig Jahren hat das gerade nochmal nachgeschaut, achthundertsiebzig in die soziale Welt wenn auch nur als Tote zurückholen können klingt wenig gilt weltweit aber die größte und wichtigste Erfolgsgeschichte der sogenannten Menschenreichtsforensika Punkt begann meine Reise tatsächlich schon vor fast fünfzehn Jahren, wie ich gerade als sich das hier vorbereitete feststellte.
00:09:57: In einem Gerichtssaal in Buenos Aires wo eigentlich aus ganz anderen Gründen war weil ich eine lange Recherche zu Stadt- und Erinnerungskonflikten gemacht hatte und eigentlich durch Zufall auf die Zeugenaussage einer forensikerinnen die im Zeugen stand, sozusagen ihre Experten-Aussage machte und in einem kurzen Vortrag mit ohne jede weiteren Hilfsmitteln eine viertel Stunde davon berichtete wie sie Gebeine, die am Ufer des Rio de la Plata geborgen wurden waren.
00:10:39: Sie und ihr Team, die sozusagen die Labore gebracht haben.
00:10:43: Und in aufwendigen Verfahren des Vergleichens des Untersuchens ab irgendeinem Punkt dieser Untersuchung dazu kamen dass es sich um zwei bestimmte Personen handelt.
00:10:56: Im Laufe ihres fünfzehn Minuten Sprechens begann sie Nicht mehr von den Knochen, sondern zwei und zwei Personen zu sprechen.
00:11:09: Das war tatsächlich eine Art Flasche.
00:11:10: Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet und war sehr in den Bann gezogen.
00:11:15: Hier passiert so eine Art Magie die hat nichts mit Zauberkunst zu tun aber irgendetwas passiert sozusagen eine politische Magie, dass da Leute dieses Terrain, dieses umkämpfte Terrain der politischen Repressionen betreten die plötzlich eine Macht haben.
00:11:33: Die ich bisher nicht kannte und das war sozusagen die Initialzündung.
00:11:38: dann zu einer langen Reise, die als Dokumentarfilmprojekt begann und dann eine sehr lange weit verzweigte Filmforschung wurde.
00:11:48: Und die begannen bei den Profis, bei den Forensik-Teams in Argentinien.
00:11:55: In Guatemala auch und ja immer wieder auch in Mexiko bei mich eigentlich alles forschen, immer wieder nach Mexiko führt.
00:12:04: Wichtig ist vor den Forensekern – den Profi waren immer die Familien da!
00:12:10: Also die vielen Tausenden von Müttern, Väteren, Töchtern und Söhnen von Schwestern Brüdern auch von Freundinnen, die sich in all diesen Jahren und oft auch Jahrzehnten immer am Rand dieses schwarzen Loches bewegt haben.
00:12:26: Immer versuchen nicht von ihm eingezogen zu werden.
00:12:30: Es waren und sind immer und überall – zuallererst die Familienangehörigen und Familienmeine hier im sehr weiten Sinne – auch die sozialen Familien gehören unbedingt dazu, die sie diesem Sog widersetzen.
00:12:46: Die gesuchten, die gefunden und vor allem eben die Suchenden verwandeln die Landschaften.
00:12:51: Ich habe vorgeschlagen sie forensische Landschaft zu nennen weil es um Kämpftelandschaft sind in denen die Totengreber eben nicht das letzte Wort haben denn darin liegt die Potenz des forensischen das Gespensterprojekt zu unterlaufen den Spuk oder Band zu brechen und dem eine Wir könnten es Strategie der Materialisierung nennen, entgegenzusetzen.
00:13:15: Also die materiellen Überreste aufzuspüren sie zusammenzusetzen so dass eine Zugehörigkeit zur sozialen Welt das was wir als Identität verstehen normalerweise nicht mal ein Lieblingskonzept aber in diesem Fall tatsächlich relativ präzise und womöglich natürlich auch das Rekonstruieren von Tat her gegen Nach dieser ersten Annäherung, die ersten zwei Jahre an die Profis sozusagen.
00:13:46: Die aus beruflicher Berufung sich diesen Abgründnerten geriet.
00:13:52: ein ganz neuer und durchaus zunächst sehr irritierender Aktuellen.
00:13:56: unser Blick fällt nämlich die selbst organisierten Suchbrigaden.
00:14:01: in Mexiko begannen Familienangehörige das ist jetzt schon etwas mehr als zehn Jahre her angesichts eines ganz offensichtlich unwilligen und in die Verbrechenteils auch verstrickten Stratzapparates, die suchen nun auch ganz leibhaftig in die eigenen Hände zu nehmen.
00:14:22: Mit Schaufen und Spitzhaken zogen sie im ganzen Land aus um.
00:14:27: also tatsächlich Es gibt glaube ich kaum einen Teil des Landes, wo es nicht Suchbrigaden gibt.
00:14:33: Die wirklich in die Berge und in die Wüste und auch in die Welter ziehen um nach den Verschärfen zu suchen.
00:14:42: Zwei dieser Gruppen haben wir dann als wir merken, wenn wir uns für die Forensische Aktion interessieren, dann müssen wir sozusagen von den Laboren jetzt auch diese Gruppen begleiten.
00:14:54: Zwei haben wir dann über zwei Jahre lang immer wieder mit der Kamera, begleitet im Nord-Mexiko und in der Küste von Vera Grust aus in verschiedene Filmarbeiten entstanden im ersten Clip.
00:15:06: einige der Akteure die wir da gesehen haben sind sozusagen unsere Protagonistinnen.
00:15:11: heute arbeite ich tatsächlich wieder zum Thema.
00:15:14: irgendwie ist das so ein thematischer Schlamm nicht so richtig loslässt, aus dem man nicht mehr so richtig rauskommt.
00:15:21: Und zwar diesmal mit Fokus auf den Staat weil ich ja vielen Diskussionen oder Festivals immer wieder die Frage im Raum stand was ist denn eigentlich mit dem Staat?
00:15:30: Wie kann es sein dass in einem demokratischen Land wie Mexiko beispielsweise die von der Gewalt, von diesem Schrecken des verschwinnens betroffenen Familien nun auch noch selber graben und suchen müssen.
00:15:45: Was tut der Staat?
00:15:46: Was tun die Behörden?
00:15:48: Und das war dann der Ausgangspunkt für ein laufendes Filmforschungsprojekt, wo wir uns jetzt mit neuen staatlichen Suchkommissionen beschäftigen also ginsermaßen in der Blackbox des Staates.
00:15:59: und ja es ist nicht unbedingt einfacher an Massengräbern denn im Behörde zu drehen.
00:16:10: Ja, das ganze Themenfeld der Such-Kollektive oder auch der Suchkommission sprengt jetzt glaube ich diesen von Daniel an gezeigten Rahmen von fünfundzwanzig Minuten.
00:16:21: deshalb würde ich gerne noch einen anderen ganz anderen Punkt aufmachen auch um nochmal zu den Holländerinnen zurückzukommen.
00:16:30: Den schwarzes Loch meint ja noch ein zweites nicht nur das Loch des Verschwindens sondern auch Das erzählen sie.
00:16:39: Was Dorothea Emmeger in ihrem Roman für die Sprache untersucht, dass nämlich existenzielle Krisen und Verunsicherung immer am Rande oder auch außerhalb des sprachlich greifbaren zu liegen scheinen das hat mich von Anfang an für die Bilder interessiert also dieses Bildloch was da entsteht, das Unvorstellbare oder auch das Undarstellbare Und dabei ist wichtig zu verstehen, dass das verschwinden lassen als Terrortechnik gewissermaßen komplementär zu sehen ist, zu dem was man visuelle oder performative Gewalt nennen könnte.
00:17:16: Nämlich die Bewusste zur Schaustellung von barbarisch zugerichteten Menschenkörpern am besten live und vor aller Augen bekanntlicher in präferiertes Instrument Medien, Affiner Bildakteure jeglicher Colour wie wir gut und besonders auch aus den letzten Jahren wissen.
00:17:33: beides das Vollständige verschwinden lassen, wie auch die Vorführung menschlicher Körper demonstriert.
00:17:39: Eine besondere Macht, eine Negromacht über das Menschsein an sich, eine Potenz zur Entmenschlichung noch über den Tod hinaus und eine Macht über die Bilder... äh ...und die Imagination!
00:17:53: Denn beides, dass Nichtbild- und die Bildgewalt lämt macht tendenziell stumm und blind.
00:17:58: Das kennen wir alle an uns.
00:18:00: Wenn wir uns nur nicht einfach schaudernd abwenden wollen Welche Bildsprachen ließen sich finden?
00:18:06: Was tun mit dem Schwindel der immer größer werdenden Desorientierung, nämlich auch die der Menschen, die von dem Theatermacher durch den Dschungel getrieben werden und dabei immer mehr ins Stolpern geraten.
00:18:19: Wenn alles in Auflösungen begriffen ist alle Parameter das Lineare, dass erklärbar die Grenzen dauernd überschritten werden wenn Bilder selbst Gewalt ausüben können welche anderen können wir finden wie die Bilder zum Atmen bringen, damit auch die Zuschauer nicht ersticken.
00:18:38: Wie berühren und sensibilisieren?
00:18:41: das große Wort der Sensibilisierung ohne zu überwältigen?
00:18:45: Einfach draufhalten in dokumentarischer Radikalität zeigen was ist ging schon deshalb nicht weil wir beim Drehen immer wieder an Bildgrenzen stießen also naheliegenderweise unzugängliche Terrors, an denen man einfach nicht reinkam.
00:19:05: Eignes somatisches oder auch ethisches Unbehagen oder von den Akteuren selbst gesetzte Grenzen.
00:19:13: also einige forensische Teams hatten ja waren nicht ohne weiteres bereit zumindest Anfangs bei ihrer Arbeit gefilmt zu werden und auch eines der Suchkolektive signalisierte uns gleich zu Beginn, dass zumindest die Exhumierung selbst bitte nicht gefilmt werden sollten.
00:19:31: Da ja die ausgegrabenen – auch wenn sie zu dem Zeitpunkt noch ohne Namen sind – eine Menschenwürde haben.
00:19:38: Und das war vielleicht einer der interessantesten Erkenntnisse, die wir so mitgenommen haben nach diesen Jahren, dass wir Tote, auch wenn Sie keine Namen tragen als Rechtsobjekte sehen können.
00:19:50: Und was dann daraus folgt, Rechtsobjekte wie wir alle womöglich Menschen oder vielleicht sogar Bürgerrechte haben.
00:20:00: Wie es um Roman und Stück heißt, Kontexte können Theater im Film als Toten- oder Geisterbeschwörung fungieren zugleich aber so würde ich ganz gerne ergänzen, womöglich auch als Geist der Austreibung.
00:20:17: Denn natürlich geht es vor allem beim Rätsel des Verschwindens um das Unabgeschlossene, das Ungelöste, das Verdrängte und sicher auch das Unheimliche.
00:20:25: Aber es geht halt immer auch um Täterschaft!
00:20:28: Das ist keine außerirdischen sondern andere Menschen und ihre kriminellen Netzwerke sind die Personen und andere Menschen verschwinden lassen.
00:20:36: Und so wenden sich unsere Versuche einer Erzählbärmachung auch gegen eine Mystifizierung des Verschwindens gegen die Mystik der Gespensterhaftigkeit.
00:20:46: Dagegen gilt es, ähnlich wie bei den Forensikerinnen so etwas wie Materialität in Stellung zu bringen.
00:20:56: Nicht in die Abstraktion der Metapher zu flüchten sondern sich der Stofflichkeit oder auch der Sinnlichkeit des Geschehens zu stellen darauf zu setzen dass auch die Dinge noch die Kleinsten Spuren sein können und etwas zu erzählen haben.
00:21:10: Weak Signals wie es die Forschergruppe Forensic Architecture nennt, die ja berühmt ist für die akribische Rekonstruktion unsichtbar gemachter Gewaltverbrechen bei denen materiellen, medialen also Datenspuren immer eine entscheidende Rolle zukommt.
00:21:28: Also anstelle eines dokumentarischen Naturalismus der ja nicht selten pornografisch umschlägt, also die visuelle Gewalt eher spiegelt als bricht oder diese allgegenwärtige als so eingängige Metaphorik, der sie wie ich meine so oft banalisiert, womöglich so etwas wie eine Poetik des materiellen, eine Poetic-daylife Haftigkeit die man dann wohl möglich auch forensische Ästhetik oder forensische Erzählungen nennen könnte.
00:22:00: Die nicht als Beweisführung gemeint ist vielmehr als ästhetische Praxis, die auf das fragmentarische setzt die auf die Macht der Rekonstruktion, die Montage von scheinbar unzuherrsammengenden.
00:22:16: Die also materielles Knochen und andere Fragmente zum Sprechen oder eben auch zur Aufführung bringen will.
00:22:23: Denn die Forensik wie ich sie erlebt habe in diesen Jahren vor allem im ersten Jahr an der Recherche hat immer auch ein theatrales Moment was sich damals im Gerichtsaal gesehen habe, mit dieser argentinischen Forensikern war natürlich neben allen anderen auch eine Performance.
00:22:42: Und so haben mich an den Holländerinnen am meisten interessiert diese einundneunzig Nachtfotos auf die sie wenn Sie den Roman nicht schon gelesen haben spätestens im Stück Stoßen werden und zwar ganz leibhaft.
00:22:58: Die werden tatsächlich gezeigt also die vermeintlich leeren Bilder, die auf den später gefundenen Digitalkamera der Frauen waren und die etwas aus dem Inneren dieses schwarzen Lochs bei Elmega ist es das Funkloch tatsächlich im Dschungel zu beleuchten Scheinen Spuren der zufällig ins Bild geratenen nächtlichen Welt Regentropfen Zweige Blätter.
00:23:26: Vor allem aber sind die Fotos, würde ich meinen selbst eine materielle Spur.
00:23:32: Weil sie von einem wie auch immer gearteten visuellen Handelnzeug aus welchen Motiven auch immer darüber ist viel gesagt spekuliert worden und damit von einer Lebendigkeit.
00:23:42: Und darum genau geht das bei der Suche nach den Verschwundenen immer und unaufhörlich dem Behaaren darauf dass Menschen keine Gespenster sind sondern lebendig sind oder waren.
00:23:57: Bei alledem wird dann auch die Landschaft lebendig.
00:23:59: Als Reibungsfläche und Handlungsraum, als Mienenfeld, als Kontaktzone zwischen Toten- und Lebenenden gerade nicht nur hier.
00:24:08: die dschungelandschaft für den Theatermacher als Kulisse oder Projektionsfläche der Dschungeln fungiert ja seit jeher als exotische Landschaft des oder der anderen bei dem es gar nicht um die Anderen geht also etwa die dort Lebenden oder wie hier auch nur um den schwunden Touristin.
00:24:26: Beide sind ja hier nur Anlass, sich dem eigenen inneren Dickicht aus Fantasmen und Angsterfahrungen zu stellen.
00:24:34: Unterschiedlicher könnten Sie also nicht sein die desorientierten Kreativen in Ihrem Blindflug durch den Dschungel und die Familien, die in allen Arten von Landschaften nach ihren Liebensuchen.
00:24:46: was sie dennoch wohl möglich verbindet ist das Suche und Erzählen jeweils verflochten Scheinen und beides auf ein offenes Ende hinausläuft.
00:24:58: Denn bei all den Suchmanövern, die ich jetzt schon eine ganze lange Zeit begleite geht es auch wenn sich das seltsam anhören mag längst nicht nur ums finden.
00:25:10: wie angedeutet hat noch ein kleiner Teil der gesuchten überhaupt die Chance gefunden zu werden.
00:25:17: sie sind vermutlich auch eine Form des Erinnerns oder Wohlmöglich schon der Trauer, jedenfalls einer Form der Sinnstiftung und damit auch eine Art des Erzählens.
00:25:28: Die eben nicht notwendig auf eine Pointe wie es im Stück heißt die hinausläuft also tatsächlich fündig zu werden aber doch versucht etwas Orientierung oder womöglich so etwas wie Sinn in dieses weiteschreckliche Feldes ungewissen zu bringen.
00:25:45: Und umgekehrt sind auch unsere Erzählversuche, eine andauernde und mitunter auch recht verzweifelte Suchbewegung bei dem immer neue Formen, neue Bilder, neue Formate erprobt werden.
00:25:59: Vielen Dank!
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